SWR4 Sonntagsgedanken
Der Glanz von Ostern ist verblasst. Jedenfalls kommt es mir so vor. Ich denke dabei weniger an die glänzenden Eier, die wir mit den Kindern gesucht haben. Ich meine das, was wir an Ostern feiern: dass Jesus auferstanden ist. In der Osternacht war das so richtig anschaulich: die Osterkerze wurde in die dunkle Kirche getragen. Ihr Licht wurde weitergegeben und hat den Raum erhellt. Seine enorme Kraft war spürbar. „Kraft“ heißt auf Griechisch „dýnamis“. Die Dynamik der Auferstehung konnte man richtig sehen! Und wir haben gesungen: „Halleluja, Jesus lebt.“
Mittlerweile sind diese Töne verklungen; meine kleine Osterkerze ist runtergebrannt und der Alltag ist zurück. Ich frage mich, ob das alles war. Diese Dynamik der Auferstehung muss doch auch nach Ostern noch spürbar sein!
Ich glaube, das ist auch so. Nur muss man genau hinschauen. Mir hilft dabei, was ich von den Jüngern am See von Tiberias höre. Nachdem Jesus auferstanden ist, kehren Petrus und sechs andere nach Galiläa zurück und tun, was sie früher getan haben: sie fischen im See. Aber sie haben keinen Erfolg. Da kommt ein Mann vorbei und fordert sie auf, ihr Netz noch einmal auszuwerfen – dieses Mal auf der anderen, der rechten Seite des Bootes. Die Jünger tun das und fangen so einiges! Da erkennen sie in dem Mann Jesus. Sie kehren ans Ufer zurück, sitzen mit ihm zusammen und essen gemeinsam.
Für mich stecken in dieser Geschichte drei Hinweise, was Auferstehung im Alltag heißen kann: Bleib optimistisch. Rechne mit Jesus. Und Lebe erlöst. Ich will das gerne etwas erklären:
Die Jünger fangen zunächst nichts. Das ist ziemlich ätzend. Sie könnten aufgeben und nach Hause gehen. Das tun sie aber nicht: sie werfen die Netze erneut aus – auf der rechten Seite. Diese Seite steht in der Antike für das Positive. Der Mann fordert die Jünger also dazu auf, positiv zu bleiben und nicht aufzugeben. Jesus ist auferstanden und hat das Unmögliche möglich gemacht. Ich höre da für mich heraus: Sei auch du optimistisch. Bleib dran, versuch das, was unmöglich zu sein scheint oder nicht gelingt, einfach noch einmal. Sieh die Dinge positiv: die kleinen und auch die ganz großen. Wenn der Apfelkuchen runterfällt – ja, dann essen wir ihn halt als Crumble. Durch eine Prüfung zu fallen, ist doof, aber ich kann sie wiederholen. Und wenn meine Liebe nicht erwidert wird – vielleicht kommt die ganz große ja erst noch.
Auf diese Art österlich-optimistisch zu sein, heißt für mich nicht, Dinge schönzureden; manches fordert mich heraus, enttäuscht mich und hinterlässt Narben auf meiner Seele. Es geht mir um die Grundhaltung dahinter: Bleib nicht im Dunkeln stehen. Schau auf das, was dein Leben hell macht. Wenn dir das Leben Zitronen gibt – dann mach Limonade draus.
In meinen Sonntagsgedanken habe ich überlegt, wie sich Ostern auf meinen Alltag auswirken kann. Hinweise dazu habe ich bei den Jüngern gefunden. Nach Ostern sind sie zurück am See von Tiberias. Gerade haben sie erfolglos versucht, Fische zu fangen, als sie jemand anspricht.
Der Mann fordert die Jünger auf, ihr Netz noch einmal auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen. „Rechts“ steht in der Antike auch für „das Richtige“. Er bringt die Jünger also dazu, nicht nur optimistisch zu sein und neu anzusetzen. Er hilft ihnen auch dabei, das Richtige zu tun. Petrus ist Fischer und weiß eigentlich, was er tut. Und doch hilft ihm der Hinweis eines Außenstehenden. Er führt zum vollen Erfolg. Es heißt, die Jünger fangen 153 Fische; 100 Prozent, denn damals waren genau 153 Fischarten im See von Tiberias bekannt.
Österlich zu leben, kann also bedeuten, im Alltag mit Jesus zu rechnen. Es gibt immer wieder Situationen wie bei den Jüngern, in denen mir jemand zur Seite steht und hilft, die nächsten Schritte zu gehen oder das Richtige zu tun. Jemand der mir seinen Blick von außen zur Verfügung stellt. Oft erkenne ich erst im Rückblick, wer mir da zum Christus geworden ist. Ich habe das selber schon erlebt: vor vielen Jahren hat mir jemand deutlich gespiegelt, was ich gut kann – das hat mich zu meinem Beruf geführt. Und es gibt viele andere Beispiele: der Freund, der mich aus einem Tief holt und auf andere Gedanken bringt; meine Frau, die mich ermutigt, gegen eine Krankheit anzukämpfen und nicht aufzugeben. Oder Kollegen, die sich zusammenschließen, um etwas gegen das Mobbing in der Firma zu tun.
Um zu spüren, dass Jesus für mich da ist, braucht es aber nicht immer andere Menschen: Freunde von mir nutzen dafür ihre Hochzeitskerze. Sie entzünden sie immer dann, wenn Worte am Ende sind, wenn sie Redebedarf haben, sich aber keiner traut, auf den anderen zuzugehen. Es ist das stille Zeichen: wir dürfen nicht schweigen; wir müssen reden. Bei der Hochzeit haben sie diese Kerze an der Osterkerze angezündet. Sie erinnert sie an Jesus, den Dritten im Bund ihrer Ehe. Sie verleiht ihm die Stimme, die sagt: „Tu das Richtige, gerade wenn es mal schwierig wird.“
Die Jünger am See von Tiberias sitzen am Ende mit Jesus zusammen, essen, trinken und feiern miteinander. Auch das ist für mich ein Hinweis, wie sich die Auferstehung auswirken kann: Wenn Jesus alles Dunkel hell macht, gibt mir das Hoffnung und Grund, mich zu freuen! Sicher klingt bei diesem Essen auch das letzte Abendmahl durch: die Jünger denken an die Zeit mit Jesus zurück und vergewissern sich, was er ihnen bedeutet. Aber wenn sie zusammen essen, heißt das eben auch: sie genießen das Leben. Und das darf auch ich. Ich höre da heraus: Lebe erlöst. Feier das Leben. Sei fröhlich und freu dich an den Dingen, die dir geschenkt sind!
Optimistisch sein; sich getragen wissen und leichter leben. Die Osternacht mag vorbei sein und meine Osterkerze erloschen. Aber ich bin überzeugt: Die Auferstehung wirkt weiter. Sie entfaltet ihre Kraft erst so richtig im Alltag.
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