SWR Kultur Wort zum Tag

17APR2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Menschen widerfährt Unrecht:
Benachteiligungen, Vorwürfe, Ablehnungen ohne Grund. In der Familie, in der Schule, im Beruf. Wer hat das noch nicht erlebt?!
Da könnte man doch aus der Haut fahren. Sich empören und Rachegedanken hegen.
Oder – diese Variante kenne ich von mir: Dem Unrecht aus dem Weg gehen,
sich wegducken, so gut es geht. Aber das geht nicht immer. Was dann?

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas  23,34)
Das ist eines der Worte von Jesus am Kreuz.
Soll das nun etwa einfach heißen „Schwamm drüber!“? Soll Gott so etwas wie eine Generalamnestie für alle Vergehen und Verbrechen erlassen? Wohl kaum.
Jesus spricht in eine konkrete Situation. Er leidet zu unrecht.
Römische Soldaten kreuzigen ihn. Sie machen ihren Job. Sie spielen um seine Kleider.
Sie funktionieren. Sie haben keine Ahnung von den Abgründen ihres Tuns.
Sie haben kein Unrechtsbewusstsein, und sie empfinden auch keine Schuld.
Für sie betet Jesus:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas  23,34)
Mir hilft dieses Jesus-Wort in zweierlei Hinsicht:
Zum ersten denke ich, Jesus legt mit seinem Wort etwas zwischen das erlittene, Himmel schreiende Unrecht und denen, die es ihm antun. Denn, wenn Menschen sich so aufführen, dann steckt etwas Abgründiges in ihnen, von dem sie keine Ahnung haben. Das nämlich lässt sie solche Untaten tun. Die bleiben weiter schmerzvoll.
Aber wo man das sieht, verlieren Täter ein Stück weit an Macht.
Sie werden kleiner. Sie werden als ahnungslose Täter zu Bedürftigen.
Als zweites fiel mir auch noch auf: Jesus begnügt sich nicht damit, das nur festzustellen und um Vergebung zu bitten. Dahinter steht eine Aufgabe.
Der Auferweckte Jesus ruft nach Ostern dazu auf: Predigt das Evangelium zur Veränderung des Bewusstseins! Also: Schaut nach den Abgründen in euch und Anderen! Verändert die Gesinnung! Ändert den Wertekompass! Er sagt damit: „Leben ist möglich ohne dumpfe Gewalt, ohne Verrat und ohne Missachtung Anderer. Mein Leben steht dafür ein - und ist selbst mit der Kreuzigung nicht aus der Welt zu kriegen!“

Wo immer Unrecht aufbricht – geht es um diese zwei Fragen:
Warum kommt es so weit?
Und: Wie kann das verhindert werden. Wie kann ich mich immer wieder neu auf ein Leben in Frieden mit Anderen einlassen?
Das kann ein weiter Weg sein. Doch kürzer geht es vermutlich nicht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44259
weiterlesen...