SWR Kultur Wort zum Tag

Wie oft höre ich zur Zeit diese Litanei: „Es geht alles bergab!“
Ein Mix aus Lähmung, Traurigkeit und Wut. Ich kenne das auch von mir.Und sage mir dann: Pass auf! Lasse Dir diese miese Stimmung nicht einreden!Und dabei die eigenen Empfindungen ausreden, die gar nicht so negativ sind!
Etwas spöttelnd sagte man früher über so einen Depri-Zeitgeist: „Ja, ja, Schiller ist tot. Goethe ist tot. Und mir ist auch schon ganz schlecht.“Das ist gewiss etwas zu flapsig und trifft nicht den Ernst der Lage.
Und doch frage ich mich:
Wo bleiben die Lichter der Hoffnung? Wo der Blick für das Gelungene?
Gerade jetzt ist es so wichtig, sich nicht den Blick für eine gute Zukunft verstellen zu lassen. Dafür braucht es eine kraftvolle Gegenstimme.
Ja, Pro-Test im besten Sinn des Wortes. Ein Wort, das eine andere Sicht eröffnet.
So wie einst am ersten Ostermorgen. Es steht im Lukasevangelium.
Da wird erzählt, wie Frauen, betrübt an Jesu treten. Sie wollen dem Verstorbenen Gutes tun – den Leichnam mit wohl riechenden Ölen und Salben einreiben, ((so wie es Brauch war)).
Aber sie finden ihn nicht. Stattdessen, heißt es, stehen da zwei Männer mit glänzenden Kleidern und fragen sie: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? (Lk 24,5)
Was für eine Frage ist das denn? Nicht gerade einfühlsam. Oder?
Sie stoßen die Frauen vor den Kopf. Kein Mitleid, sondern Kritik:
„Ich glaube, ihr seid im falschen Film. Ihr sucht einen Toten und wollt ihm Gutes tun. Doch der ist hier nicht zu finden. Er lebt, er ist auferweckt worden. Das hat er doch selber so angekündigt.“
Für mich ist das eine Schlüsselszene für unser Zeitempfinden. Die Klage und das Beweinen verpasster Chancen und Gelegenheiten verkleben den Blick für Gegenwart und Zukunft. Heute sind Wohlstands-Weltuntergangsgesänge so laut.
Viel zu selten hören wir die andere Musik, die in der Luft liegt.
Ostertöne, Klänge, die eine feine Zukunft mit all ihren Chancen ansagen. Hier und Heute: Menschen leben doch miteinander in Frieden! Jetzt schon. Wie oft gelingt Mitbestimmung und Teilhabe an so vielen Orten!
Es kann genug für alle wachsen und gedeihen. Und tut es schon!
Wie viele neue Wege finden Mediziner und Techniker für unser Wohlergehen!
Sehn wir das noch?
Oder lassen wir uns von der ganzen Schwarzmalerei lähmen? Es kommt darauf an, sich in solchen Stimmungen hinterfragen zu lassen.
So wie am Ostermorgen: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten! Schaut voraus, schaut auf das neue Leben, auf den auferweckten Christus. Dazu provoziert Ostern.