SWR4 Abendgedanken

24APR2026
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Es gibt Tage, da vergleiche ich mich ständig. Wenn morgens ein Jogger an mir vorbeispurtet, denke ich: „Mein Gott, der Typ ist viel sportlicher als ich.“ Und nicht selten begegnet mir auf meinem weiteren Weg irgendjemand von dem ich denke: „Hey, der hat echt ne coole Jacke. So eine hätte ich auch gerne“ Und im Internet sehe ich dann Menschen, die durch die angesagten Straßen New Yorks schlendern oder an traumhaften Stränden auf Bali einen Cocktail schlürfen und ich denke: „So würde ich auch gerne mal Urlaub machen“.

Manchmal hat der Tag hat noch nicht mal richtig begonnen und ich fühle mich schon schlecht, weil ich mich ständig vergleiche. Ich kann das nur schwer abstellen, obwohl ich genau weiß: Das bringt nichts. Vergleichen macht nur unglücklich.

Und dabei weiß ich natürlich nicht, wie es diesen anderen Menschen wirklich geht, welche Probleme sie vielleicht haben. Zumal ich in die Leute, nicht reinschauen kann. Ich habe keine Ahnung, ob die wirklich glücklicher sind als ich. Vergleichen ist ja nichts grundsätzlich Schlechtes, aber es kann mir halt auch schaden, wenn ich immer nur auf die anderen schaue. Dadurch bekomme ich das Gefühl, dass mir etwas fehlt.

Wie gesagt: Ich kann es nicht abstellen und gerade deswegen versuche ich bei meinem täglichen Abendgebet mich auf das, was ich habe, zu fokussieren. Nicht auf das, was ich nicht habe. Ich schließe dabei die Augen und lasse den Tag nochmals vor meinem inneren Auge ablaufen. Überlege, wo ich überall war, wen ich getroffen habe, was ich getan habe. Und versuche nicht zu vergleichen, sondern bei mir zu bleiben und mich darauf zu konzentrieren, was heute gut war. Ich erinnere mich dann zum Beispiel daran, dass jemand zu einem Gespräch bei mir war und dass das toll war. Für uns beide. Oder auch, dass ich mir auf dem Heimweg ein Eis gegönnt hab und das superlecker war.

Und dann spüre ich nicht mehr die Unzufriedenheit des Vergleichens, sondern bin dankbar, wie schön dieser Tag war. Auch ohne neue Jacke und Sandstrand. Natürlich ist das nicht immer so. Aber wirklich oft. Wirklich oft sitze ich dann da und denke: Danke, Gott. Danke für diesen schönen Tag.

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