SWR4 Abendgedanken
Heute ist der internationale Tag des Buches. Ich mag Bücher. Richtige, gebundene Bücher. In der Hinsicht bin ich ein wenig altmodisch.
Zum einen natürlich, weil ich sehr gerne lese. Aber zum anderen, weil Bücher mehr sind als nur die Geschichten, die sich zwischen zwei Buchdeckeln verbergen. Für mich sind Bücher auch eine Verbindungen zu anderen Menschen.
Zum Beispiel findet sich in meinem Bücherregal eine abgegriffene Ausgabe von Hermen Hesses „Narziss und Goldmund“. Vor knapp zwanzig Jahren habe ich sie von einer alten Freundin bekommen. Ich lese das Buch alle paar Jahre und denke dabei nicht nur, wie schön die Geschichte immer wieder ist, sondern ich denke dabei auch an diejenige, die mir das Buch geschenkt hat. Oder wenn ich meine dicke, rote „Herr der Ringe“-Ausgabe dastehen sehe, dann denke ich immer an meinen Bruder, weil ich mich mit ihm stundenlang über Fantasyromane und -filme unterhalten kann. Oder wenn ich die gesammelten Gedichte von Rainer Maria Rilke zur Hand nehme, denke ich an meinen geistlichen Begleiter im Theologiestudium, der mir mal gesagt hat, dass die Gedichte von Rilke alles Gebete sind.
Bücher verbinden uns. Die Geschichten, die sie erzählen, ebenso, wie die Bücher selbst.
Und so ist es auch mit der Bibel und allen Geschichten, die darin erzählt werden.
Wenn ich zum Beispiel an die Texte rund um die Ostertage oder Weihnachten denke, dann erinnere ich mich immer daran, wie wir die großen Feste in der Familie gefeiert haben. Ich denke an die Aufregung vor der Bescherung an Heiligabend und habe den Weihrauchduft vom Gottesdienst in der Nase. Oder, wenn ich zum Beispiel die Zeilen „nichts kann uns trennen von der Liebe Christi“ aus der Bibel höre, dann denke ich an die ein oder andere Beerdigung, die ich als Priester gefeiert habe. An die Menschen, die damals vor mir saßen. Traurig. Wie angespannt ich selbst manchmal in dieser Feier war und wie schön es war, diese Worte zu hören oder sagen zu dürfen. „Nichts kann uns trennen von der Liebe Christi.“
Als Bücherfan weiß ich: Die Bibel ist nicht irgendein Buch, das Menschen für sich lesen. Sie macht uns zu einer Erzählgemeinschaft. Wir sind verbunden durch die Erfahrungen, die wir mit diesen Geschichten haben und auch mit den Menschen, die diese Geschichten vor uns gelesen haben und ihre Erfahrungen damit gemacht haben. Manchmal tieftraurig, manchmal aufgeregt, oft hoffnungsvoll. Die Bibel erzählt immer wieder, dass wir nicht alleine sind. Und genau das erfahren wir durch sie.
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