SWR4 Sonntagsgedanken

12APR2026
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„Singen laut!“ Seit letzter Woche verlangt unser Enkel von seinen Eltern, dass sie ihm vor dem Einschlafen ein Lied laut vorsingen müssen. Zuerst haben es meine Schwiegertochter und mein Sohn mit leisen Schlafliedern probiert, aber der zweijährige Junge hat da ganz andere Vorstellungen. Er fordert: „Singen laut!“.

Ich musste schmunzeln, als unser Sohn uns das per WhatsApp mitgeteilt hat. Erreicht hat mich seine Nachricht nach unserer gemeinsamen Osterfreizeit.  Nach vielen Jahren Unterbrechung waren wir mit einigen Freunden und der ganzen Familie auf eine Osterfreizeit in die Berge gefahren. Mehrere Familien, alle Altersklassen sind hier zusammengekommen, in einem großen Schullandheim einfach untergebracht. Gemeinsam kochen, gemeinsam essen und je nach Wunsch und Laune hinaus in die herrliche Natur und Schneelandschaft.

Als Pfarrer war ich da auch gefragt. Es war der Wunsch aller Teilnehmenden, dass ich sie nach dem Frühstück und nach dem Abendessen durch die Passions- und Ostergeschichte in der Bibel führe und dass wir gemeinsam Lieder singen. Da gehörte auch „Gott ist gut. Wir singen laut dazu“. Auch andere neue und ältere geistliche Lieder, die sie selbst früher als Kinder und Jugendliche gesungen haben.

Gemeinsames Singen tut uns Menschen unendlich gut. Aufeinander hören, miteinander die Stimme erheben, Gott loben, auch in Liedern daran erinnern, was Jesus Christus für uns getan hat, das ist heilsam, aber auch erfrischend und macht Freude. Und gerade lautes gemeinsames Singen ist wie ein tiefes Durchatmen, das der Seele Ruhe und Glück schenkt.

Das will unser Enkel offensichtlich auch zuhause fortsetzen. „Laut singen“, fordert er.

Laut singen, tut den meisten Menschen gut. Das ist sogar wissenschaftlich untersucht und bestätigt. Am besten mit anderen zusammen. Es schafft Entspannung. Die eigene Stimme laut werden zu lassen, sie in Einklang mit anderen zu bringen, sich etwas von der Seele singen zu können, das schenkt auch neue Kraft. Kürzlich habe ich gelesen, dass es die eigene Identität und das Selbstwertgefühl stärkt. Es ist also noch viel wirksamer, als nur beruhigende Musik zu hören.

„Singen, laut!“ fordert mein Enkel von seinen Eltern. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wie gerade Kinder uns an die wichtigen und wesentlichen Dinge des Lebens erinnern.

Gott, der Schöpfer, ist wie ein Vater oder wie eine Mutter, sagt Jesus und heißt es in der Bibel. Gott kennt unsere Bedürfnisse. Er hat viele Gaben in uns angelegt, die uns im täglichen Leben helfen. Für mich gehört dazu auch das Singen. Gerade geistliche Lieder, alte und neue, stärken uns selbst und unseren Glauben und schenken beim gemeinsamen Singen eine wohltuende Gemeinschaft.

Daran hat mich diese Woche unser Enkel erinnert. Er hat die Gemeinschaft beim Singen als wichtig und wohltuend erlebt. Das will er jetzt auch zuhause haben.

„Laut singen!“ das möchte ich gerne auch Ihnen heute mit auf den Weg geben. Im Auto zum Beispiel, da sehe ich morgens auf der B27 manchmal jemanden bei seinem Lieblingshit im Radio mitsingen. Vielleicht kennen Sie noch Lieder, auch geistliche Lieder aus ihrer Jugend. Einfach mal laut singen. Vielleicht gibt es in ihrer Kirchengemeinde auch einen Chor. Da kann man gemeinsam laut singen.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“, heißt es in Psalm 98. Und vielleicht können auch Sie beim Singen das eine oder andere Wunder erleben. Das wünsche ich ihnen von Herzen und einen gesegneten Sonntag.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44241
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