SWR4 Abendgedanken

16APR2026
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Die Blüte eines Buschwindröschens ist so schön! Manchmal knie ich mitten im Wald hin und schaue mir eine Blüte ganz genau an. Die weißen Blütenblätter, die manchmal in ein Violett übergehen, die bei Kälte geschlossen und an warmen Sonnentagen weit geöffnet sind. Ich sehe mir die zackigen, saftgrünen Blätter an und staune. Und, nein, jetzt kommt nicht, das Loblied auf den Schöpfergott. Sondern eine ganz einfache Aufforderung, bei all den schlimmen Dingen, die schönen Dinge nicht zu vergessen. In der Bibel heißt es einmal:

„Achtet auf das, was wahr ist, würdig und gerecht, was rein ist, liebenswert und Lob verdient.“  (Philipper 4,8)

Ich habe in einem Gottesdienst dazu eingeladen, schöne Dinge zu malen oder aufzuschreiben. Und ich kam über die Fülle der Schönheit, die da gesammelt wurde, selbst noch einmal ins Staunen. Natürlich ging es Vielen so wie mir, dass sie zuerst Blüten, Bäume und Flusslandschaften vor Augen hatten.

Dann kam: Das Lächeln eines Kindes, das vertraut. Die Stille unter dem Sternenhimmel. Einer hat geschrieben: 20,5° C. Eine schöne Temperatur. Babyduft. Durchdachte Gegenstände und Werkzeuge haben eine eigene Schönheit. Die Witzchen im Freundeskreis, die alle verstehen und die immer wieder kommen. Die Schönheit, die man in jedem Menschen entdeckt, den man liebt.

Für jeden Sinn etwas dabei. Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen – und immer wieder gab es die Erkenntnis, wie schön es ist, etwas zu tun, sich anzustrengen, in den Flow zu kommen. Schön kann es sein, gar nichts zu tun. Und Küssen. Das ist auch schön.

„Achtet auf das, was wahr ist, würdig und gerecht, was rein ist, liebenswert und Lob verdient.“  Vergesst bei allen schlimmen Dingen die schönen Dinge nicht. Genießt sie, wiederholt sie, achtet auf sie.

Abends vor dem Einschlafen, erinnert euch: Was war schön…? Morgens, bevor die erste Nachricht auf dem Bildschirm ist: Das Wasser auf der Haut, der Duft von Kaffee, der Geschmack von Quittengelee auf der Zunge, der Regentropfen, der am Fenster hinabgleitet – wie schön. Auch, dass er außen ist.

„Achtet auf das, was wahr ist, würdig und gerecht, was rein ist, liebenswert und Lob verdient.“ 

Mehr wollte ich heute Abend gar nicht sagen. Schön.

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