Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

16APR2026
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Mit meinem Motorrad war ich am Ende der Welt, kein Scherz. Ich war auf Motorradtour quer durch Frankreich. Viele große und kleine Kurven und dazwischen auch mal schnurgerade Alleen entlang riesiger Getreidefelder. Der Vorteil solcher eintöniger Strecken: man kann sich etwas umschauen. Da vorne zum Beispiel, da zweigt ein kleines Sträßchen ab, mal ein bisschen langsamer machen. Da steht ein etwas windschiefer Holzwegweiser, auf dem steht: „Bout du Monde", also „Ende der Welt". Das interessiert mich, also biege ich ab und folge dem Sträßchen.

Es wird immer holpriger. Irgendwann muss ich sogar das Motorrad abstellen und zu Fuß weiter, weil es mich einfach interessiert. Der Pfad mündet in eine Schlucht und wird immer enger. Schließlich endet er vor einer hohen halbkreisförmigen Felswand, aus der unzählige Wassertropfen in einen kleinen See tropfen. Es scheint so, als wäre ich angekommen am „Ende der Welt". 

Solche Namen für Wege oder Naturformationen sind in einer Zeit entstanden, als die Menschen noch tatsächlich daran glaubten, dass unsere Welt irgendwo aufhört. Heute wissen wir es besser. Aber auch heute noch gibt es Situationen, da denke ich: Das muss das Ende der Welt sein. Wenn mein Arbeitgeber mich plötzlich für überflüssig hält, wenn ein Freund einen schweren Unfall hat, wenn Familien zerbrechen, weil die Partner es einfach nicht mehr miteinander aushalten. Dann zieht es einem förmlich den Boden unter den Füßen weg. Es ist gut, in solchen Situationen Halt zu finden: In der eigenen Familie oder bei Freunden. Mir hat in solchen Situationen auch mein Glaube weiter geholfen. Ich glaube nicht, dass Gott sich solche „Enden der Welt“ für uns Menschen ausdenkt. Ich bin überzeugt davon, dass er nicht mein Gegenspieler ist, sondern dass er mich unterstützt. Dass es einen Weg aus der Krise gibt, auch wenn ich ihn im Moment noch nicht sehe.

Das ist eine uralte Zuversicht. Schon in der Bibel gibt es einen Psalm, der vor ungefähr 3000 Jahren aufgeschrieben wurde. Da heißt es:

„Mich umfingen die Fesseln des Todes (…)

In meiner Not rief ich zum Herrn. (…)

Er griff aus der Höhe herab und fasste mich, zog mich heraus aus gewaltigen Wassern. (…)

Er führte mich hinaus ins Weite, er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.“ (Ps 18)

Beseelt von diesem uralten Gebet trete ich den Rückweg an mit der Zuversicht, dass Gott an mir Gefallen hat. Ich steige auf mein Motorrad und fahre hinaus in die französische Weite.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44232
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