Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Im Moment versuche ich, meinen Haushalt etwas auszumisten. Im Sommer werde ich nämlich umziehen, und das geht natürlich einfacher mit „leichtem Gepäck“. Allerdings - das Geschirr, zum Beispiel, das ich von meiner Patentante geerbt habe: das wollte ich eigentlich schon bei meinem letzten Umzug weggeben, und bin nicht sicher, ob ich‘s dieses Mal über mich bringe. Es ist nämlich wirklich schön und auch hochwertig. Aber weil ich ja auch noch mein eigenes habe – UND dann noch ein knallbunt fröhliches, das ich von irgendeiner Reise mitgebracht habe… habe ich das von meiner Tante eigentlich nie benutzt.
Es macht eben auch mal Spaß, sich was Neues und Modernes zu kaufen. Aber was wird dann mit den alten Sachen? Das Problem gibt es noch gar nicht so lange. Denn früher haben die meisten Leute ihre Sachen so lange wie möglich benutzt. Oder sie mussten sich nach dem Krieg etwas Neues aufbauen. Das sollte dann aber auch bleiben und Bestand haben.
Wie bei meiner Tante mit ihrem Geschirr. Das hat sie sich ja nicht einfach mal eben gekauft. Sie hat es sich regelrecht erobert. Hat sich immer wieder ein paar Teller oder Gläser dazugekauft wenn sie das Geld hatte - wahrscheinlich über Jahre hinweg. Und sie wollte etwas wirklich Schönes, Beständiges nach den Kriegsjahren. Was ich – die Nichte – vielleicht einmal übernehmen würde.
Eigentlich hätte ich mich mit ihr darüber mal unterhalten sollen, denke ich jetzt: was ihr ihre kleinen Schätze wirklich bedeutet haben, die sie sich da zusammengesammelt hat. Und was sie wohl gesagt hätte zu dem Spruch aus der Bibel: dass wir im Leben keine irdischen Schätze sammeln sollen, weil die irgendwann ja doch von Rost und Motten gefressen werden. Jesus macht hier die klare Ansage: Was wir hier so ansammeln, das hat keinen Bestand. Deshalb: sich lieber auf den Himmel konzentrieren und Schätze sammeln, die wirklich zählen: Verbundenheit untereinander, gerechte Verteilung, damit alle genug haben. Liebe und Nächstenliebe.
Tja, und wie ich in Gedanken mit meiner verstorbenen Patentante darüber diskutiere, da brauche ich plötzlich keinen Ratgeber mehr fürs Ausmisten. Und mir ist klar, dass ich ihr Geschirr behalten werde: nicht, weil es irgendwie wertvoll ist und ich drauf aufpassen sollte. Sondern weil ich es benutzen sollte und dabei an sie denken sollte.
Ausmisten und weggeben werde ich das bunte Geschirr, das von der Reise. Da blättert auch schon die Lasur ein wenig. Das von meiner Tante, das bleibt.
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