SWR3 Gedanken

18APR2026
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Es ist gerade Frühling geworden und ich stehe auf dem Friedhof mit einer großen schwarz-dunkel-gekleideten Trauergesellschaft.  Wir beerdigen eine Frau, die 86 Jahre alt geworden ist. Viele sind gekommen und es fließen eine Menge Tränen. Sie war eine beliebte Freundin und Nachbarin.

Als ich die Erde mit der Hand ins Grab werfe, kräht ein Hahn in der Nachbarschaft und seine Hennen gackern. Nebenan im Garten der Kita hört man lautes Kinderlachen und rufen. Die Frühlingssonne wärmt uns den Rücken und die Bäume und Sträucher rund ums Grab blühen schon prächtig in zartem rosa, gelb und weiß. Ein Storch fliegt seine Runden über unseren Köpfen. Überall ruft das Leben.

Als ich nach der Beerdigung nach Hause gehe, rufen mir die Kitakinder aufgeregt zu: „Frau Schimmel! Wir haben unseren Frisbee in deinen Garten geworfen! Kannst Du ihn suchen?“

Ich muss schmunzeln: Gerade waren da noch der Tod und die Trauer der Familie. Jetzt ist da dieses ungebremste Leben der Kinder. Ich gehe in den Garten, hebe den Frisbee auf, werfe ihn zurück, und für einen Moment lang fühlt es sich an, als würde mir das Leben selbst zuwinken. Und sagen: „Schau, es geht weiter!“

Ja, manchmal sind Beerdigungen unglaublich kitschig, weil so viel Schönes und Lebendiges neben der Trauer geschehen. Und das zu erleben ist oft tröstlicher als jede Traueransprache es je sein könnte.

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