SWR3 Gedanken
„Boah, ihr Kirchenmenschen seid so cringe!“, flüstert mir eine Freundin zu und versinkt halb im Stuhl, als bei einer Fortbildungsveranstaltung für Pädagogen ein Pfarrer vor dem Essen vorschlägt, einen Kanon zu singen. Mitten in einem Restaurant, mit noch anderen Gästen drumherum.
Ich muss lachen. Weil sie so recht hat. Wir Menschen, die für die Kirche arbeiten sind cringe. Ziemlich sogar. Ich glaube, das gehört irgendwie zu unserer Berufsgruppe selbstverständlich dazu.
Wir singen an Orten, wo andere nicht mal laut sprechen würden.
Wir reden von Gott, als wäre es das Normalste der Welt.
Ich sitze manchmal vor meinem Feierabend-Bier, stoße mit Gott an und meine das vollkommen ernst.
Und ja, wir versuchen auch manchmal, cool zu sein: Wir tanzen im schwarzen Pfarrerinnen-Outfit vorm Kreuz und machen irgendwelche Tic-Toc- Trends mit, die eigentlich schon wieder vorbei sind. Wir benutzen Jugendwörter in unserer Sonntagspredigt, um den Konfis zu gefallen. Die verdrehen zurecht die Augen. Das alles wirkt oft unbeholfen. Manchmal auch einfach nur peinlich. Cringe.
Aber ich glaube, genau darin liegt tatsächlich auch etwas Gutes. Dieses Cringe-Sein zeigt anderen: deine Pfarrerin ist nur ein Mensch, wie du und ich. Da steht jemand, der sich auch mal blamiert und eben nicht immer perfekt rüberkommt.
Das macht es wiederum Menschen leichter mit mir in Kontakt zu kommen. Sie spüren gleich: der muss ich nichts vorspielen, hier kann ich auch ganz ehrlich die sein, die ich bin.
Ich bin Pfarrerin. Ich bin manchmal cringe.
Aber ich bin erreichbar und menschlich und ich kann über mich selbst und Kirche lachen. Und mitten am Tag Kanons singen. Das sollten wir sowieso öfter tun!
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