SWR3 Gedanken

13APR2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Das musst Du doch nicht auch noch machen!“, sagt eine gute Bekannte zu mir, als ich wieder einmal für etwas zugesagt habe, obwohl mein Kalender längst übervoll ist. Und sie fügt hinzu: „Am Schluss dankt’s Dir keiner!“

Diesen Satz habe ich schon so oft gehört und ehrlich gesagt nervt er mich ein bisschen. Ja, natürlich, da ist schon was Wahres dran: Wenn ich mich aufreibe, wenn ich über meine Grenzen gehe, dann zahle ich am Ende selbst den Preis. Außerdem kann es sehr frustrierend sein, wenn man macht und tut, sich Mühe gibt, und keiner merkt es.

Aber bei dem Satz: „Am Schluss dankt’s Dir keiner“ schwingt für mich noch etwas anderes mit. So eine Art Rückzug. Als würde man vorher schon einen Haken dranmachen: Lohnt sich eh nicht. Und es ist auch eine bequeme Ausrede, denn es klingt so, als würde sich Engagement nur lohnen, wenn es Applaus gibt. Als ob Einsatz für andere sich rechnen muss.

Ich persönlich finde ja: Es lohnt sich für die Begeisterung einer ganzen Horde Kinder während der Bastelaktion der Familienkirche.
Es lohnt sich, wenn eine ein bisschen anders weggeht, als sie gekommen ist. Und jedes hoffnungsvolle Nicken nach einem Gespräch macht mich glücklich.

Aber natürlich gibt es auch Dinge, die keiner sieht. Arbeit, die einfach da ist und die getan werden muss. Wieviel Zeit ich z.B. im Pfarrbüro sitze und Zeug organisiere, das sieht niemand. Doch das geht schließlich allen Menschen so. Und wenn ich nur das tue, wofür ich gesehen werde, dann wird mein Leben ziemlich klein.

Wenn mir das nächste Mal jemand sagt: „Am Schluss dankt‘s dir keiner“, antworte ich: Am Schluss geht’s nicht um den Dank. Sondern darum, dass es jemandem gutgetan hat, dass ich da war. Dass ich dazu beitragen konnte, dass eine Veranstaltung gelingt.

Auch wenn es am Schluss keiner bemerkt hat und es anstrengend war: Mich hat es zufrieden und glücklich gemacht. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44219
weiterlesen...