SWR3 Gedanken
Mein Handy klingelt. Eine unbekannte Nummer. Ich geh ran, melde mich mit Namen und höre nach einer kurzen Stille eine zögernde Stimme:
„Ja, hallo Frau Pfarrerin Schimmel…? sie kennen mich nicht und ich habe eine etwas ungewöhnliche Anfrage. Ich möchte mit Ihnen meine Beerdigung besprechen. Ich bin schwer krank und werde nicht mehr lange leben.“
Augenblicklich hat die Person am anderen Ende der Leitung meine gesamte Aufmerksamkeit. Sie erzählt mir kurz, dass sie so viele Fragen hat und nicht wusste an wen sie sich wenden soll. Ich versichere ihr, dass sie da bei mir ganz richtig ist, und ich biete ihr ein Treffen an. Ein paar Tage später fahre ich zu ihr. Ein warmer Tag, blauer Himmel und sie wartet bereits an der Straße auf mich. In einem gelben Frühlingspullover und mit einem Gehstock in der rechten Hand. Sie strahlt mich an und es platzt aus ihr heraus: „Ich bin furchtbar nervös!“
Ich lache, „Wissen Sie was? Da haben wir was gemeinsam. Ich bin auch immer nervös, wenn ich jemanden neu kennenlerne!“ Schon ist das Eis zwischen uns gebrochen. Ich folge ihr langsam die Treppen hoch in ihre Wohnung.
Wir setzen uns an ihren runden Wohnzimmertisch, trinken Kaffee miteinander und einen Karotten Cupcake gibt es auch. Sie erzählt mir von ihrer Krankheit, von ihren Kindern, denen es schwerfällt über den Tod zu reden und von ihren Musikwünschen für die Beerdigung. Sie möchte nichts dem Zufall überlassen.
Die Sonne leuchtet warm ins Zimmer. Ihr Gesicht strahlt. Es ist ein bisschen surreal: ich spreche mit jemandem über das Traurigste der Welt, aber sie lächelt mich an, als würden wir ein fröhliches Geburtstagsfest planen.
Ich bin neugierig und frage: „Haben Sie Angst vor dem Tod?“ „Nein“, sagt sie: „Ich hoffe nur, dass ich nicht allzu lange leiden muss. Aber nein, ich habe wirklich keine Angst. Auf mich wartet ein Freund!“ Wieder strahlt sie mich an: „Gott will ich schon lange persönlich kennenlernen.“
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44218