Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Unser neunjähriger Enkel geht dieses Jahr zur ersten heiligen Kommunion. „Und, was macht ihr so in der Kommunionvorbereitung?“, frage ich ihn. Er antwortet: „Nur unnützes Zeug. Wir taufen Kuscheltiere.“ In einer Kommunionstunde brachten alle Kinder ihre Lieblingskuscheltiere mit und tauften sie. Ich vermute, die Katechetin wollte den Kindern so das Thema „Taufe“ handgreiflich nahebringen. Denn die Zahl der Taufen ist in Deutschland deutlich zurückgegangen, immer weniger Kinder können anschaulich erfahren, was bei einer Taufe geschieht. Einige in der Gruppe sind selbst noch nicht getauft oder haben noch keine Taufe miterlebt. Da ist es vielleicht doch nicht unnütz, wenn sie an ihrem geliebten Kuscheltier sehen, wie Taufe geht.
Zugleich erlebe ich im Freundes- und Bekanntenkreis, auch in der eigenen Familie eine zarte andere Bewegung: Vermehrt erzählen mir Eltern ungetaufter Kinder, dass ihre Kinder im Schulalter eines Tages zu ihnen kommen und sagen: „Ich will getauft werden.“ Der Anstoß kommt aus dem Religionsunterricht oder aus dem Freundeskreis, wo ein anderes Kind zur Kommunion geht oder wo in einer befreundeten Familie erfahren wird, was das heißt: Christlich leben. Auch Großeltern stoßen bisweilen die Taufe ihrer Enkelkinder an.
Das ist keine Massenbewegung, für mich aber ein Hoffnungszeichen. Vielleicht bahnt sich da ein Wandel an: Die Kleinkindtaufen nehmen ab, die Taufen von Schulkindern und Erwachsenen nehmen ganz langsam, aber stetig zu. Und das passt in unsere Zeit. Wir wollen ja, dass Menschen existentielle Entscheidungen bewusst und informiert treffen. Und vielleicht ist es auch für Kirchen und Gemeinden ein Ansporn, wenn sie die Menschen nicht schon als Kleinkinder in der Tasche haben, sondern sich werbend und gewinnend um sie bemühen müssen. Und wenn die Kinder durch das Taufen von Kuscheltieren auf den Geschmack kommen, ist das vielleicht auch nicht falsch.
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