SWR3 Gedanken
Die Hände bilden keine Raute, sondern sind zum Gebet gefaltet. Angela Merkel zu Besuch im Kloster Maria Laach. Merkels Blazer leuchtet hellgelb neben den schwarzen Kutten der Mönche. Die ehemalige Bundeskanzlerin sitzt im Chorraum inmitten der Benediktiner in der wunderschönen romanischen Abtei in der Vulkaneifel. Sie feiern die Vesper - das Abendgebet der Kirche. Und Merkel ist gekommen, um zu predigen - als Pfarrerstochter kennt sie sich damit aus.
Ich habe Glück gehabt und einen Platz bekommen und lausche nun, welchen Impuls Angela Merkel setzt. Sie erzählt, was ihr der Glaube an Gott bedeutet. Merkel meint: “Christ sein ist eine Lebensaufgabe. [...]”
Klingt anspruchsvoll, aber nichts anderes habe ich erwartet von einer Frau, die zugleich Pfarrerstochter und promovierte Physikerin ist. Mir gefällt was Merkel sagt: “Christ sein ist keine Bank zum Ausruhen, sondern eine [...] Aufforderung die eigenen Gaben zum Wohle anderer einzusetzen”, so Merkel. Und weiter: “Die gute Nachricht dabei ist: Dass wir auf Gottes Güte hoffen können, dass wir nicht perfekt sein müssen, dass wir Fehler machen dürfen -und dennoch von ihm als Menschen angenommen sind”. Für Merkel besteht die Freiheit des Menschen aber nicht darin, den Glauben als sanftes Ruhekissen zu verstehen, sondern Verantwortung zu übernehmen. Einer Frau, die sich in vielen Krisen unzählige Nächte um die Ohren geschlagen hat und dafür auf manches Ruhekissen verzichtet hat, nehm ich das ab. Und es spornt mich an neu darüber nachzudenken, wo meine Verantwortung liegen kann - als Christ und als Bürger.
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