SWR3 Gedanken

06APR2026
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Thomas Jefferson, Gründervater der USA. Thomas Mann, Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger. Oder Thomas Müller, Weltmeister und Fußballlegende. Sie alle tragen den Namen eines ganz besonderen Jüngers von Jesus. Thomas. Er gilt unter den zwölf engsten Vertrauten Jesu als der Zweifler. Der Skeptiker. Denn: Als Jesus nach seinem Tod aufersteht und den Jüngern wieder begegnet, da ist Thomas nicht dabei. Und als die anderen Jünger - Petrus, Johannes oder Andreas - ihm erzählen, dass Jesus lebt und dass sie ihm begegnet sind, da sagt Thomas: Das muss ich mit meinen eigenen Augen sehen, sonst kann ich das nicht glauben. 

Dass es Thomas mit seinen Zweifeln so prominent in die Bibel geschafft hat? Ich glaube das ist so, weil Zweifeln zum Glauben dazugehört. Zweifeln, das zeigt auch: jemand nimmt den Glauben ernst. Hinterfragt ihn. Und wer über Fragen wie “Warum gibt es so viel Leid auf der Welt? Warum greift Gott da nicht ein?” kühl hinweggeht, an dem muss ich zweifeln. Die Fragen bleiben offen, ich kann nur vertrauen, dass es irgendwann eine Antwort darauf geben wird. Und vertrauen geht nur, wo ich mich frei entscheiden kann.  Und deshalb glaube ich nicht an einen Gott, der mir irgendwas aufzwingen will, sondern der mich in meiner Freiheit ernst nimmt und der mir was zutraut. 

Interessant finde ich, dass Jesus die Jünger nochmal besucht, und da ist dann auch Thomas dabei. Jesus ist nicht sauer auf ihn, sondern geht auf den Zweifler zu. Das macht mir Mut: Glaubenskrisen, Zweifel - für Gott kein Tabu. Mein eigener Glaube jedenfalls ist in Krisen eher gewachsen oder hat sich weiterentwickelt. Ich glaube: Gott hält nicht nur meine Zweifel aus.  Ich glaube sogar: Er hält mich - gerade auch dann, wenn ich zweifle. Wie Thomas.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44206
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