Begegnungen

Heute mit Martina Steinbrecher und dem Schauspieler Oliver Mommsen. In der ARD läuft heute Nachmittag um 15.30 Uhr ein neuer Film mit ihm in der Hauptrolle: „Oliver Mommsen und das Rätsel von Ostern“. Als Kind hat er Ostern geliebt.
Also, es ging um Überraschungen, es ging um viel Schokolade, es ging um Familie ist zusammen. Im schönsten Fall gab es dann auch den Osterspaziergang. Das war so der Haupttenor: Zusammensein und überall in irgendwelchen Büschen tauchten irgendwelche Überraschungen auf.
Ums Überrascht-Werden geht es dann auch in dem halbstündigen Oster-Film. Ein himmlischer Taxifahrer mit dem vielversprechenden Namen Gabriel Engel fährt Oliver Mommsen quer durch die Republik zu Menschen, die allerorten ganz unterschiedliche Osterbräuche praktizieren. Der ahnt nicht einmal, was ihn dort jeweils erwartet.
Ich bin überall reingepurzelt und fand das alles nur aufregend, spannend, bereichernd, lustig und auch bis zum gewissen Grad irre. Und als dann irgendwann uns auch noch der Osterhase überholt mit seinem doch wirklich sehr speziellen Gefährt; also es war jedes Mal so, der Vorhang öffnet sich …
So viel sei schon mal verraten: Deutschlands dienstältester Osterhase nimmt Oliver Mommsen mit in eine Kinderklinik. Dort verteilen die beiden bunt gefärbte Ostereier an sterbenskranke Kinder. Bei manchen schleicht sich dabei ein schüchternes Lächeln aufs Gesicht. Trotzdem frage ich mich: Was kann so ein buntes Ei schon ausrichten gegen den Tod, der dort allgegenwärtig ist?
Was man aus dem Ei macht, ist ja jedem selbst überlassen, also welcher Gedanke mitschwingt, das ist ja, wenn einem die Geschichte nicht erzählt wird, weißt du nicht, wie groß sie ist. Und der Gedanke des Neubeginns, des Wiederanfangs, der ja auch zu dem Zeitpunkt bei uns jetzt einhergeht mit Frühling und mit es wird wieder hell, es wird wieder warm, und aus diesen komischen Töpfen, die tot aussehen, kommen plötzlich wieder Keimlinge und Pflanzen und Blüten und so weiter und so fort. Das ist ja um einen rum, ist ja ein kompletter Neuanfang und dass zeitgleich dann auch dieser wirklich große Gedanke des christlichen Glaubens zeitgleich stattfindet. Wer das sehen möchte, kann das sehen.
„Wenn einem die Geschichte nicht erzählt wird, weißt du nicht wie groß sie ist.“ Das klingt wie das geheime Drehbuch zum Film: Denn er erzählt auch die große Oster-Geschichte von Jesu Tod und von seiner Auferstehung. Ich frage Oliver Mommsen direkt: Glauben Sie an die Auferstehung?
Was wäre denn, wenn? Stell dir mal vor, es hätte Jesus gegeben. Stell dir vor, und da gibt es ja auch die ein oder anderen Fakten sozusagen, man hätte ihn getötet und plötzlich geht in unserem Kopf etwas auf, was wir uns eigentlich nicht vorstellen können. Es geht trotzdem weiter. Was macht das mit dir? Du musst jetzt nicht sofort Kirchensteuer zahlen und irgendwie dich entscheiden für irgendeinen Glauben, aber lass es mal zu. Und da bin ich sofort dabei, da springe ich gerne mit rein.
Reinspringen – und sehen, ob es trägt – für mich eine ganz schöne Beschreibung von dem, was Glauben ist.
Mit dem kundigen Taxifahrer Gabriel Engel an seiner Seite nähert Oliver Mommsen sich im Film dem Kern des christlichen Osterfests. Nachdem sie Milchkannenschießen und Osterhasenrituale hinter sich gelassen haben, bleiben die Aussagen der biblischen Texte: Der Tod hat seine Macht verloren. Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Da wartet ein neues Leben nach dem Tod.
Das hilft einem ja. Es hilft einem ja zu denken, ey, das ist nicht das Ende. Keine Ahnung, wo es hingeht, aber das ist nicht das Ende. Finde ich für so ein kleines Menschenhirn auf jeden Fall ein schönes Trostpflaster oder eine schöne Seitentür, wo man sagen kann, nee, ist nicht, das weißt du ja nicht, lass dich mal überraschen.
Da ist sie wieder: Die Überraschung. Immer wieder hat sie ihren Auftritt gehabt. In den Lebensgeschichten rund um Ostern, im Film und in unserem Gespräch. Und vielleicht ist sie ja überhaupt ein ganz guter Wegweiser, um sich dem Geheimnis von Ostern zu nähern: Lass dich überraschen! Lass den Gedanken einfach mal zu, dass es wahr sein könnte, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Jedes Jahr öffnet das Osterfest diese Chance: Mit Traditionen, die sich wiederholen, in der Kirche mit den immer gleichen Erzählungen. Und gerade weil das Fest verlässlich wiederkehrt, hält es unerwartete Überraschungen parat. Oliver Mommsen kennt solche Momente, wenn er seine Texte für Film oder Theater auswendig lernt. Und sie dafür fünfzig, siebzig, hundert Mal liest und wiederholt:
Und plötzlich aber, je tiefer du gehst und je mehr du dich damit beschäftigst, liest du in dem gleichen Text andere Sachen. Und deswegen bin ich sehr für die Wiederholung und dem immer wieder Auseinandersetzen mit dem gleichen Text, wenn es denn tolle Texte sind, die Bestand haben. Sie gehen ja auch mit Gedanken um, die vor Ihnen schon ganz, ganz viele gedacht, ausgesprochen, interpretiert haben. Sie gehen ja auch immer wieder neugierig, nehme ich mal an, an die Bibel ran.
Die Neugier – eine schöne Haltung, um heute das Osterfest zu feiern. Vielleicht mit Oliver Mommsen und dem Rätsel von Ostern: Um 15.30 Uhr in der ARD
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