SWR Kultur Lied zum Sonntag

05APR2026
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Es sind gerade Tage voller Gegensätze, die in den Kirchen gefeiert werden.  Eben noch war Karfreitag, an dem sich Christen an den erschütternden Tod Jesu erinnern. Und heute morgen erklingt schon der freudige Jubelruf: Christ ist erstanden! Halleluja!  

Im Glaubensbekenntnis steht beides unmittelbar nebeneinander, was etwa Johann Sebastian Bach in seiner h-moll-Messe eindrücklich vertont hat. „Cruzifixus, passus et sepultus est“ – er wurde gekreuzigt, hat gelitten und ist begraben worden. Hier erstirbt die Musik regelrecht und endet in einem monochromen, fast tonlosen Klang. Ein letzter Atemhauch.

Musik aus der H-Moll-Messe – „passus et sepultus est – et resurrexit“

Und dann kommt, wie aus dem Nichts ein Auftakt voller Dynamik und Vitalität: „et resurrexit tertia die“. Der Chor und das gesamte Orchester samt Pauken und Trompeten entfalten ein regelrechtes Feuerwerk für das unglaubliche Wunder, dass Jesus am 3. Tag auferstanden ist.

Wenn ich solche Musik höre oder gar selbst mitsinge, dann erfasst mich die Osterbotschaft geradezu körperlich. Aber manchmal geht es mir auch zu schnell und ich kann diesen Umschwung noch gar nicht nachvollziehen. Der Karfreitag lässt sich nicht so leicht abschütteln. Er erinnert ja nicht nur an das, was Jesus widerfahren ist, sondern er ist auch ein Resonanzraum für all das Leid und all die Verzweiflung in unserer Zeit. Die Kriege und die Katastrophen hören ja nicht auf. Und auch nicht die persönlichen Dunkelheiten.

Wie ist der Übergang zwischen Tod und Auferstehung? 

Nach den Evangelien ist Jesus am 3. Tag auferstanden, also am 1. Tag der neuen Woche. Das erinnert an den ersten Schöpfungstag, an dem Gott aus dem Chaos des Uranfangs das Licht geschaffen hat. Dieses Licht des Anfangs leuchtet am Ostermorgen neu auf. Gott erweckt Jesus aus dem Tod. Nicht als Fortsetzung dessen, was war. Gott schenkt ihm neues, ewiges Leben. Mit dem 3.Tag bricht also eine neue Zeit an. Die Zeit Gottes, in der der Tod und alle Not überwunden sind. Jesus ist auferstanden und er wird auch uns, ja die ganze Schöpfung in sein neues, ewiges Leben hineinziehen. Das ist die großartige Botschaft von Ostern.

Doch dieser Übergang dauert. Dafür steht der Tag dazwischen. Der Karsamstag, an dem Gott wie abwesend scheint. Noch triumphieren die Mächte des Todes: Gewalt, Ungerechtigkeit, Leid und Verzweiflung. Der Karsamstag ist nicht in Tagen und Jahren zu messen. Manchmal dauert es lange, bis der Morgen des 3.Tages anbricht und wir Ostern auch in unserem Leben erfahren. Dass aus Verzweiflung neue Hoffnung keimen kann. Dass endlich Frieden wird. Umso wichtiger ist es mir, an Ostern in die Kraft und Dynamik dieser frohen Botschaft einzutauchen, in diesen göttlichen Auftakt voller Leben.

Musik aus der H-Moll-Messe – „et resurrexit“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44202
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