Begegnungen

Die SWR1 Begegnung mit Sabine Winkler und Fabian Schwarz. Er ist freier Redner, Moderator, Bühnencoach und – Kabarettist!
„2011 bin ich mit meinem Soloprogramm an den Start gegangen und habe aber schon einige Jahre davor, mit einem Freund zusammen Musik-Comedy gemacht: „Besenreim“. Wir waren halt nie perfekt, wir waren immer so ein bisschen schlecht, aber wir waren ziemlich lustig und das hat uns ausgemacht. Von dem her ist der Humor immer dabei.“
Wenn ich mit Fabian Schwarz rede, dann muss ich fast schon aufpassen, dass unser Gespräch nicht die nächsten Sketche für eine Bühnenshow liefert. Denn immer wieder kreiert er humorvolle Blickwinkel:
„Man kann sich ja immer entscheiden: Wenn mir irgendwas Blödes passiert, entdecke ich dann die Komik darin oder sage „Öööh es ist ja alles jetzt so scheiße!“ Und die meisten Sachen, die uns passieren, die irgendwie schlimm sind, sind ja gar nicht schlimm. Wie oft haben wir beimRückwärtseinparken ein anderes Auto so krass geschubst, dass es dann in den Fluss reingefallen ist oder so? (lacht herzhaft). Es ist nicht so das treffendste Beispiel. Aber weißt du, die meisten Dinge sind ja nicht so tragisch.
Sein herzhafter Lacher sagt es: Ein wenig Humor schafft erstmal Distanz zur Sache.
„Also mir ging es oft so in meinem Leben, dass wenn ich einen Konflikt mit jemandem hatte oder auch eine Situation, wo es schwierig war. In dem Moment, wo ich mir überlegt habe, wie könnte ich das Ganze auf der Bühne kabarettistisch verarbeiten? Ab dem Moment hatte ich wieder Handlungsfähigkeit, weil es dann so diese Distanz hatte, vielleicht auch ein Perspektivwechsel. Und da habe ich wieder den Blick nach vorne bekommen.“
Die richtige Dosis Humor und eine Prise Selbstironie können helfen, leichter durchs Leben zu gehen – davon ist Fabian Schwarz überzeugt. Es geht darum sich selbst nicht zu ernst zu nehmen:
„Das finde ich auch auf der Bühne, egal ob jetzt als Rednerin, Redner oder auch als Kabarettist ganz wichtig, über mich selbst lachen zu können!“
Fabian Schwarz ist gläubiger Katholik und kirchlich sozialisiert. Es liegt daher auf der Hand, dass er schon einige Auftritte in Kirchengemeinden hatte. Katholische Kirche, Glaube und das ganze humorvoll betrachten? – Das geht für ihn, erstaunlich gut sogar:
„Ich finde, dass man da auch Witze drüber machen darf, bis hin sogar zu der Frage, ob nicht der Gott, an den wir als Christinnen und Christen glauben, der uns in der Bibel beschrieben wird, ob der nicht so ein starker Gott ist, dass wenn es irgendjemand aushält, dann er, ne?
Also, der ja auch sich von Hiob gefallen lassen musste, irgendwie angefeindet zu werden und angemotzt zu werden und da denke ich mir: Dann steht er da schon drüber. (Schmunzelt)
Ja, ich glaube… also wenn du jetzt davon ausgehst, wenn er oder sie das geschaffen hat und so runter guckt… und dann denkst du so „Oaah - meine Schöpfung“ (lacht herzhaft) – das geht glaube ich, oft nur mit Humor!“
Gott ist stabil und muss Humor haben – das glaub ich auch, wenn ich an unser menschliches Verhalten im Alltag denke.
Während unseres Gesprächs holt er die Bibel und verweist dann auf die Stammvatergeschichte, in der Gott Abraham verkündet, dass Sarah, seine Frau ein Kind bekommen wird. Die hört es und weil sie aber schon ziemlich alt ist, lacht sie.
„Gott kriegt es ja schon mit. Und er fragt dann ja auch Abraham „Äääh, warum hat denn Sara gelacht?“ Und Sara hat dann Angst und sagt „Ääh, ich habe gar nicht gelacht!“ und Gott sagt „Doch, doch, du hast gelacht.“ Aber er lässt es so stehen. Es gibt keine Strafe. Das ist für mich ein sehr starker Beleg so: Gott hält es aus, weil er schon natürlich darum weiß, was in uns vorgeht und was für Reaktionen passieren. Und weil er schon wahrscheinlich auch ein Verständnis für Komik hat.“
Schwarz hat katholische Theologie studiert und arbeitet in einem Feld, das typisch für die Kirche ist: Beerdigungen. Als selbstständiger, freier Theologe schreibt er Reden für Trauerfeiern. Wie geht das mit seiner humorvollen, kabarettistischen Seite zusammen?
Also ich finde auch bei einer Trauerrede ist es schon auch wichtig, wenn es schöne, lustige Geschichten gibt über den Verstorbenen oder die Verstorbene, dann müssen die Geschichten ja auch in die Rede rein. Das wäre ja verschenkt.
Wenn du dann so einen Moment hast, wo die ganze Trauerhalle einmal kurz lacht, weil alle irgendwie connecten können und sagen „Ja, genau so war sie oder so war er.“
Manchmal ist Fabian Schwarz auch für freie Trauungen unterwegs. Ich frage mich, wieso er dann nicht in der Kirche arbeitet, oder ist seine Arbeit keine Konkurrenz zur Katholischen Kirche?
„Ich finde das gar nicht, dass es Konkurrenz ist. Ich glaube, dass Menschen, die sich für eine freie Trauung entscheiden, sich sehr bewusst für eine freie Trauung entscheiden. Genauso wie Menschen, die kirchlich heiraten, sich sehr bewusst für eine kirchliche Trauung entscheiden. Ich sitze ja nicht als Brautpaar zu Hause vorm Rechner oder am Tablet und gucke, wer hat die besseren Google Bewertungen?
Die Gründe, weshalb seine Kunden ihn auswählen, sind unterschiedlich. Mal kommen sie mit Frust wegen einer schlechten Kirchenerfahrung und manchmal auch, weil sie gar kein Kirchenmitglied sind und dennoch das Bedürfnis haben, ein Ritual zu finden, ein paar schöne Worte bei ihm zu bekommen, die unterstützen, die tragen.
In Zeiten von Mitgliederaustritten interessiert mich dann auch noch, ob seine Kunden denn überhaupt gläubig sind?
„Wenn ich frage, zum Beispiel im Trauergespräch, „Ja, gab es denn einen Glauben? -“ „Nee, haben wir eigentlich nicht drüber gesprochen“. Oder dann frage ich so: „Haben Sie da einen Glauben oder eine Vorstellung, was nach dem Tod so vielleicht ist?“ - „Hm…“ Und dann kommt aber trotzdem ganz viel so an „Ja, der guckt jetzt da von oben runter.“ (…)
Ich glaube schon, dass ganz viele so eine Sehnsucht haben oder so eine Hoffnung und eben nicht nur, weil es dann halt für die Kinder leichter ist, wenn man sagt, der Opa ist jetzt oben und guckt runter. (…) Also ich glaube, da steckt viel mehr Hoffnung in uns, als wir uns vielleicht manchmal als Menschen zugestehen.“
Das ist auch die Botschaft von Ostern: Der Tod hat eben nicht das letzte Wort. Daran glaubt auch Fabian Schwarz und das gibt ihm die Gelassenheit und den Grund humorvoll durchs Leben zu gehen.
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