Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
„Für mich ist dies das Ende, aber auch der Beginn.“ Das waren die letzten Worte von Dietrich Bonhoeffer, Pfarrer und Widerstandskämpfer. Seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hatte er sich immer wieder gegen deren Herrschaft ausgesprochen. Er litt darunter, wie die Nazis die Ängste seiner Landsleute ausnutzten und sie zum Hass aufstacheln konnten. Wenige Wochen vor der deutschen Kapitulation 1945 wurde Bonhoeffer noch ermordet. Als Gegner der Diktatur sollte er nicht überleben und musste auf Befehl Hitlers sterben. 39 Jahre wurde er alt.
„Für mich ist dies das Ende, aber auch der Beginn.“ Gerade erst haben wir Ostern gefeiert. Für Bonhoeffer war die Osterbotschaft die wichtigste Botschaft von allen: Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Der Tod hat bei Gott keine Chance und alle Todbringenden auch nicht. Und allen, die gestorben sind, schenkt Gott einen neuen Anfang und ein neues Leben.
Dietrich Bonhoeffer hat dabei nicht nur an das Jenseits, nicht nur an sich selbst im Himmel gedacht. Er war voller Hoffnung, dass es auch für die Menschen auf der Erde einen neuen Anfang geben kann. Einem Freund in England ließ er kurz vor seiner Ermordung ausrichten, woran er glaubt: „eine universelle christliche Brüderlichkeit, die über nationale Interessen hinausgeht“. Er war überzeugt, dass die Nächstenliebe den Menschen den richtigen Weg zeigen kann.
Wir leben heute immer noch in einer Welt des Krieges. Angesichts all der Todbringer unserer Gegenwart sind unser Vertrauen und unser Mut gefragt – und unser Einsatz dafür, dass alle Menschen weltweit als Geschwister zusammenleben können. Gott selbst steht den Menschen dabei zur Seite. Dietrich Bonhoeffer hat für Gottes Begleitung schöne und gute Worte gefunden. In seiner Gefängniszelle hat er vor seiner Ermordung seine berühmtesten Zeilen gedichtet:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jeden neuen Tag.“ – Ostern, das Fest für das Leben, liegt hinter uns, aber die Zeit für das Leben beginnt gerade erst.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44198