SWR1 3vor8
Dieses Jahr habe ich ein bisschen Angst, ob ich Ostern wohl gut überstehen werde. Ich bin nämlich das erste Mal allein, dieses Jahr. Ich habe keine eigene Familie, und meine Eltern sind mittlerweile auch beide gestorben. Meine Mutter letztes Jahr im Sommer.
Ich vermisse sie – sehr. Und Ostern sollte mich da doch eigentlich trösten: Mit seiner Botschaft, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Und mit der Zusage Gottes, dass der Tod nicht das Ende ist. Ostern hat für mich immer Hoffnung bedeutet. Aber dieses Jahr bin ich nicht sicher, ob mich diese Hoffnung noch erreicht.
Wahrscheinlich liegt das daran, dass meine Mutter letztes Jahr kurz vor Karfreitag diesen Unfall gehabt hat und gestürzt ist. Und damit eine wirklich schwere Zeit begonnen hat: immer auf der Suche nach der richtigen Behandlung - nach dem richtigen Weg für meine Mutter – und zuletzt auch nach einem friedlichen Abschied. Aber wirklich gefunden haben wir den nicht.
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt man. Und zuletzt, am Ende des Weges, hatte ich wirklich keine mehr. Und meine Trauer ist immer noch so stark, dass sie die Hoffnung in mir überdecken: noch verbunden zu sein mit meiner Mutter - und dass sie nicht einfach verschwunden ist im Strudel der Zeit…
Karfreitag ist genau so ein Tag, an dem die Hoffnung verstummt. Das ist damals unterm Kreuz nicht anders gewesen, als Jesus gestorben ist, vor den Augen seiner Mutter und seiner Freunde. Alles, worauf sie gehofft hatten, schien mit ihm gestorben zu sein. Die Verbindung: endgültig abgerissen. Die Bibel erzählt dann zwar weiter: wie Jesus drei Tage später von den Toten aufersteht, und wie es Ostern wird. An Karfreitag aber, da hat das doch noch niemand gewusst. Und ich weiß das eben heute auch noch nicht: ob die Hoffnung in mir wieder lebendig wird. Und ob sie auferstehen wird an Ostern.
Nur eines weiß ich, und das tröstet mich doch ein bisschen: dass mit mir noch viele andere unter dem Kreuz von Jesus stehen: die auch trauern, Angst haben oder die Welt einfach nicht mehr verstehen. Es tröstet mich, Teil einer Gemeinschaft zu sein, Freunde an meiner Seite zu haben. Ich bin nicht allein – und merke, wie sich eben doch ein bisschen Hoffnung in mir regt: Dass es Ostern wird, das Leben siegt und die Hoffnung eben doch stärker ist als der Tod.
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