SWR4 Abendgedanken

08APR2026
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„Wer nicht an die Auferstehung glaubt, der ist kein Christ“. Diese Aussage habe ich im Laufe meines Lebens immer wieder in der Kirche gehört. Und jedes Mal habe ich mich wieder neu daran gerieben. Weil ich das Gefühl hatte: Dieser Satz engt mich ein, der macht mir Druck. Der lässt mir keinen Raum, ihn vielleicht auch hinterfragen zu dürfen. „Wer nicht an die Auferstehung glaubt, der ist kein Christ“. Die Aussage ist mir zu radikal. Zumal sie ja auch gar nichts darüber aussagt, wie genau diese Auferstehung Jesu zu verstehen ist.

Was mich aber gleichzeitig fasziniert, sind die vielen unterschiedlichen Auferstehungserzählungen in der Bibel. Und die öffnen mir einen ganz anderen Zugang zum Glauben:
Da ist Maria Magdalena. Sie war eine enge Vertraute von Jesus, und diejenige, die bis zu seinem Tod am Kreuz an seiner Seite geblieben ist. Sie steht weinend am leeren Grab, kann nicht fassen was passiert ist und verwechselt Jesus zunächst mit dem Gärtner. Erst als er ihren Namen sagt und sie seine vertraute Stimme hört, erkennt sie ihn. Und wird zur ersten Zeugin der Auferstehung.
Ganz anders die Geschichte der zwei Männer, die in das Dorf Emmaus unterwegs sind. Total verzweifelt und traurig über den Tod Jesu, weil sie soviel Hoffnung in ihn und eine neue, bessere Zeit gesetzt hatten.  Jesus begleitet sie, hört ihnen zu, erklärt ihnen sogar, was passiert ist – aber sie erkennen ihn erst, als er zum Abendessen bleibt und mit ihnen das Brot bricht.
Und dann ist da noch Thomas, einer seiner Jünger. Er glaubt den anderen Jüngern einfach nicht, die behaupten, sie wären Jesus begegnet.  Er will ihn selbst sehen und am liebsten die Kreuzigungs-Wunden berühren. Jesus nimmt die Zweifel von Thomas ernst und zeigt sich ihm. Und dann kann auch Thomas glauben.

Die Bibel kennt insgesamt elf solcher Auferstehungserzählungen. Und jede ist wunderbar anders. Vielleicht begegnet und zeigt sich Jesus den Menschen genau so unterschiedlich, wie Menschen eben sind. Das ist das faszinierende an diesen Geschichten: Jesus kommt jedem und jeder so entgegen, wie er oder sie es braucht und versteht. Mich bestärken gerade diese Auferstehungserzählungen: dass christlicher Glaube eben nicht von einem Satz abhängt, dass er nicht auf eine einzige Deutung festgelegt ist. Die Auferstehung Jesu macht für mich den Glauben weit. Sie hat viel mehr mit Begegnungen zu tun als mit einzelnen Worten.

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