SWR1 3vor8
Was passiert, wenn ein 1.700 Jahre altes Glaubensbekenntnis auf Popmusik trifft? Das haben sich kirchlich engagierte Menschen im Südwesten gefragt und Ende letzten Jahres einen Song Contest gestartet. „Credo Collab“[1] heißt das Projekt, und gesucht wurden junge Musikerinnen und Musiker und ihre Songs über das, was sie hoffen, woran sie zweifeln und woran sie wirklich glauben. In zwei Wochen findet das große Finale in der Popakademie in Mannheim statt. Dann performen die jungen Künstlerinnen und Künstler zum ersten Mal ihre Songs live vor Publikum, und ich freue mich schon drauf, die vielen frischen Worte und Töne rund um das Leben und den Glauben zu hören. Und um das, was die jungen Leute hoffen, aber auch zweifeln lässt.
Ein richtig altes und vermutlich sogar das älteste Glaubensbekenntnis ist das von Thomas, einem der Jünger Jesu. Er steht heute im Mittelpunkt des katholischen Gottesdienstes. Thomas wird oft auch der „ungläubige Thomas“ genannt. Denn er kann einfach nicht so recht glauben, was ihm seine Freunde erzählen, weil er kurz weg war: „Stell Dir vor, Thomas, Jesus ist nicht tot, er ist auferstanden, er war hier bei uns!“ Und deshalb antwortet Thomas: „Wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht" (Joh 20,25). Das ist noch nicht das Glaubensbekenntnis. Aber trotzdem finde ich es sympathisch, dass Thomas so ehrlich ist. Dass er sich kritisch mit dem auseinandersetzt, was andere ihm erzählen. Dass er es genau wissen und sogar selbst erleben will. Und dann passiert es. Acht Tage nach Ostern erscheint Jesus den Jüngern noch einmal. Und Jesus fordert Thomas auf, seine Wunden zu berühren. Aber das ist Thomas nun gar nicht mehr so wichtig. Ganz ergriffen von der Begegnung stammelt er: „Mein Herr und mein Gott.“
Dieses Glaubensbekenntnis besteht nur aus fünf Worten. „Mein Herr und mein Gott.“ Doch entscheidend finde ich, wie Thomas diese Worte gefunden hat. Nämlich durch eine ordentliche Portion Fragen und Zweifel.
Ich glaube, darum geht es beim Glauben. Dass ich mich frage: Wer ist Gott für mich? Wie ist er oder sie? Was macht mir Angst, und was lässt mich hoffen? Und was hat der Glaube mit meinem Leben zu tun?
Vermutlich werden die Songs beim Song Contest ganz vorne mit dabei sein, bei denen man merkt, wie sehr da jemand mit dem Leben und mit Gott gerungen hat. Denn dann gehen die Lieder direkt unter die Haut.
[1]https://www.credo-collab.de/
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44179