SWR Kultur Wort zum Tag

07APR2026
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Auf meinem Weg durch die Fußgängerzone hat mich eine Baustelle zu einem kleinen Umweg gezwungen. Ich habe etwas Zeit verloren, aber eine ordentliche Portion Hoffnung gewonnen.

Das lag an dem Saugbagger, den ich dort zum ersten Mal in meinem Leben gesehen habe. Ein Saugbagger sieht nicht aus wie ein Bagger, sondern eher wie ein Kanalreinigungsfahrzeug. Am Heck des Fahrzeugs ist ein Schlauch, an dessen Ende ein Stahlkranz mit Zacken angebracht ist. Mit diesem ist der Bagger in der Lage, die Erde aufzubaggern. Das dabei gelockerte Material wird dann durch den Schlauch ins Innere des Fahrzeugs gesaugt. Es ist weniger die Technik, die mich fasziniert hat, sondern dass ich bis dahin keine Ahnung hatte, dass es so etwas gibt.

Und genau hier ist ein Bild in meinem Kopf entstanden – das passiert mir manchmal. Könnte dieser Bagger nicht dafür stehen, dass die Zukunft noch einiges Spannendes bereithält: nicht nur für Baustellen in Fußgängerzonen, sondern auch für die Baustellen in meinem Leben. Dieser Gedanke beflügelt mich. Er gibt mir Hoffnung für mein Leben. Er macht mir Lust Neues zu entdecken, mich überraschen zu lassen, welche Lösungen es geben könnte, von denen ich jetzt noch keine Ahnung habe.

Und es arbeitet weiter in meinem Kopf: in der Bibel wird Gott immer wieder als derjenige vorgestellt, der Hoffnung macht und Zukunft verspricht. Dem alten Ehepaar Abraham und Sarah stellt er Nachwuchs in Aussicht, dem Volk Israel sagt er zu, dass es aus der Sklaverei befreit wird oder aus dem Exil zurückkehrt.

Manchmal lässt die Bibel Gott dabei sogar in Baustellenbildern sprechen, beim Propheten Jesaja heißt es zum Beispiel: „Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht? Ja, ich lege einen Weg an durch die Wüste und Flüsse durchs Ödland.“ (Jes 43,19)

Jetzt an Ostern feiern Menschen, dass Jesus auferstanden ist. Sein Tod hatte seine Jünger und die Frauen in seinem Umfeld verzweifeln lassen. Alles schien verloren. Aber er begegnet ihnen noch mal, in ganz anderer Weise als sie erwartet haben, und das gibt ihrem Leben wieder eine Hoffnung.

Ich weiß, wie leicht der Glaube verloren gehen kann, dass in der Zukunft noch etwas Gutes auf einen wartet, und wie schwer es manchmal ist, Zeichen der Hoffnung dafür zu entdecken. Manchmal aber hat man Glück, und sie begegnen einem ganz unerwartet, so wie mir neulich der Saugbagger.

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