Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

25APR2026
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Meine Familie liebt Fruchtgummis. Und beim Discounter sind gerade alle unsere Lieblingssorten im Angebot. Also stelle ich mich mit zehn Packungen Fruchtgummis in den Händen an der Kasse an. Das ist mir ein bisschen peinlich. Was denken die Leute wohl von mir, wenn ich so viele Süßigkeiten kaufe?

Vor mir in der Schlange steht eine alte Frau. Der graue Mantel über ihren gebeugten Schultern ist ziemlich verschlissen. Sie dreht sich zu mir um, schaut auf die Packungen in meinen Händen und meint „Gehen Sie ruhig vor. Bei mir dauerts länger.“

Der Korb an ihrem Rollator ist vollgepackt bis obenhin. Brot und Käse, Nudeln, Kaffee, ganz unten ein Sechserpack Wasserflaschen. Sie winkt mich vorbei, und auch noch den Mann, der hinter mir steht.

Der sieht mir ein bisschen unheimlich aus. Arme und Hals sind unsauber tätowiert, die Haare strähnig. Und er riecht nach Zigarettenrauch. Er legt seine Sachen hinter meinen Fruchtgummis aufs Band: Energydrinks, Dosenbier und eine Packung Fertig-Currywurst. Na, denke ich, du lebst ja auch nicht gerade gesund.

Da höre ich, wie der Mann die alte Frau anspricht: „Sagen Sie mal, was haben Sie denn da alles eingepackt? Da müssen Sie aber schwer heben, wenn Sie das alles aufs Band legen wollen. Ich helf Ihnen mal, wenn’s recht ist!“ Und das tut er dann auch. Bückt sich und räumt den Einkauf der alten Frau aufs Kassenband.

Ich schäme mich. Und mir fällt ein Vers aus der Bibel ein: Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. (1. Sam 16,7)

Ich mache mir Sorgen, was die Leute über meine Süßigkeiten denken – und habe selber diesen Mann völlig falsch eingeschätzt. Wegen dem, was ich vor Augen hatte: Seine Tätowierungen, sein ungesunder Einkauf. Aber entscheidend ist doch das Herz eines Menschen. Und das kann viel schöner sein, als man von außen denken würde. Das will ich mir zu Herzen nehmen.

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