Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

21APR2026
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Als ich Lillibet zum ersten Mal wirklich wahrnehme, ist sie schon eine ältere Dame. Sie ist eher klein. Äußerlich nicht besonders auffällig. Wenn da nicht ihre extravaganten Hüte wären. Aber immer wenn sie spricht, klingt es ein wenig unbeholfen und steif.

Lillibet ist eigentlich niemand, dem man besondere Beachtung schenken würde. Trotzdem fasziniert sie mich. Besonders ihr Lebensweg: Denn der ist für sie schon als junges Mädchen vorgezeichnet.

Wenig in ihrem Leben entscheidet Lillibet selbst. Meist tun das andere für sie. Bis in den kleinsten Winkel ihres Alltags hinein ist Lillibets Leben vorbestimmt und klar geregelt: Termine, Verpflichtungen, Auftritte.

Das Ganze immer im Blick der Öffentlichkeit. Jeder Schritt wird beobachtet, jede Geste kommentiert. Kein Raum für Spontanes, kaum Platz für Privates und Persönliches. Und doch nimmt diese kleine Frau ihre Aufgabe an. Über Jahrzehnte hinweg. Klaglos, nicht spektakulär, nicht laut. Sicher nicht fehlerfrei. Aber mit einer Haltung, für die mir nur ein altmodisches Wort einfällt: Pflichtbewusstsein.

„Mein ganzes Leben, ob es lang oder kurz sein wird, soll in euren Dienst gestellt sein.“ hat sie einmal gesagt.

Ein Satz, der mich beschäftigt. Das eigene Leben in den Dienst einer Sache zu stellen, die größer ist als man selbst – das würde mir echt schwerfallen. Und genau darum habe ich Respekt vor Lillibet.

Jesus sagt einmal: „Der Größte unter euch, soll euer Diener sein.“

Dienen – nicht als Unterordnung, sondern als Haltung: für andere da sein, Verantwortung übernehmen, sich selbst nicht zum Mittelpunkt machen, selbst wenn man im Zentrum steht. Lillibet hat aus dieser christlichen Haltung immer Kraft gezogen.

Heute, am 21. April, wäre sie einhundert Jahre alt geworden. Ihr voller Name lautet: Elizabeth Alexandra Mary Windsor. Aber die meisten kennen sie als: Königin Elisabeth II. von England.

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