SWR Kultur Wort zum Tag

15APR2026
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Im Frühling, werden die Lämmer geboren. Manchmal ist auch ein kleines schwarzes mit dabei. Wer es einmal gesehen hat, weiß: Es gibt kaum ein schöneres Bild als kleine Lämmer auf der Weide. Sie springen vor Lebensfreude! Und voller Leben ist auch der 23. Psalm, einer der bekanntesten Psalmen der Bibel: Der Herr ist mein Hirte. So fängt er an. Für viele Menschen ist dieser Psalm wie ein vertrauter Begleiter auf dem Lebensweg.

Dabei verschweigt der Psalm auch die dunklen Seiten des Wegs nicht. Neben der grünen Aue droht Gefahr, im frischen Wasser spiegeln sich dunkle Wolken. Manchmal ist der Tisch gedeckt im Angesicht von Feinden. Gerade so ist das Leben. Schön und gefährlich, sanft und hart, unglücklich und sinnenreich. Deshalb ist der 23. Psalm tatsächlich ein Lebenspsalm.

Ich erinnere mich an einen Konfirmanden, den ich sehr gemocht habe. Ein wilder Junge, selbstbewusst, Typ „Kopf durch die Wand“. Wir sind trotz aller Sympathie einige Male heftig aneinander geraten, besonders, wenn er sich nicht an Regeln gehalten hat. Bei seiner Konfirmation hat er sich Psalm 23 als Konfirmationsspruch gewählt, konkret den Vers „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir.“ Ich war verblüfft. Er war entschieden in seiner Wahl. Jahre später, er ist inzwischen erfolgreich im Beruf und junger Familienvater, hat er mir davon erzählt, dass ihn dieser Vers durch alle Höhen und vor allem Tiefen seines Lebens begleitet hat. „Da gab es schon Abgründe,“ sagt er. „Manchmal war es ziemlich finster. „Ich fürchte kein Unglück!“ Darauf habe ich mich irgendwie immer verlassen. Das war meine Rettung.“

Gerade werden überall in Deutschland Konfirmationen gefeiert, junge Menschen gesegnet für ihren Lebensweg. Viele wählen immer noch diesen Psalm als Konfirmationsspruch. Ich wünsche mir, dass die jungen Leute an diesem Tag mit allen Sinnen erfahren: Ich bin gesegnet, umgeben von lieben Menschen. An diesem Tag müssen die Feinde, in deren Angesicht der Tisch gedeckt wird, mal Pause machen.

Mir gefällt, dass der Psalm von Großzügigkeit erzählt. „Du schenkst mir voll ein“ heißt es. Nicht knausrig knapp unter den Eichstrich, sondern so, dass das Glas fast überfließt. Das Leben ist immer wieder zum Feiern schön!

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