SWR Kultur Wort zum Tag

13APR2026
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Weiß haben sie gestrahlt – die Kleider, die sich die ersten Christen nach ihrer Taufe angezogen haben. Als Zeichen für einen grundsätzlichen Neuanfang im Leben. Rein und weiß. Wie neugeboren! Die ersten Christen haben diese Taufkleider dann eine ganze Woche lang getragen. Nach meiner eigenen Erfahrung mit weißen Blusen und Hosen und den Versuchen, sie nur halbwegs sauber über den Tag zu retten, weiß ich, ganz sicher und bestimmt: diese weißen Kleider der Täuflinge dürften nach sieben Tagen nicht mehr rein Weiß gewesen sein. Das kann gar nicht funktioniert haben!

Ich finde, symbolisch betrachtet hat das aber auch etwas. Sich durch die Taufe wie neugeboren fühlen heißt nicht, von nun an unbefleckt durchs Leben zu gehen. Pannen wird es immer geben. Darüber kann ich mich ärgern, ich kann es aber auch tröstlich finden. Denn die Flecken auf den weißen Kleidern der Täuflinge machen die Taufe nicht ungültig. Wahrscheinlich hätten sich auch die frischgetauften Christen lieber eine Woche lang rein weiß gezeigt. Gerade weil das nicht funktioniert hat, konnten sie aber entdecken: Gott wird sich von keinem Fleck, von keinem Schatten, von keinem Schmutz abhalten lassen, seine Menschen zu lieben.

Sicher – ich wäre auch lieber perfekt. Strahlend weiß. Manchmal merke ich dann, dass sich hinter diesem Wunsch auch ganz schön viel Hybris versteckt. Und Eitelkeit. Meine ich wirklich, ich könnte ausgerechnet Gott etwas vormachen? Ein perfektes Weiß - das funktioniert ja nicht einmal bei meinen T-Shirts.

Dann wieder bin ich nicht eitel, sondern komme mir wie eine Versagerin vor. Kein Wunder, wenn ich an akutem Perfektionswahn leide, das kann ja auf Dauer nicht gut gehen. An solchen Tagen kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendjemand, geschweige denn Gott, mich liebevoll ansehen könnte. Das kann genauso problematisch sein wie Eitelkeit. Mit Selbstvorwürfen kreise ich letztlich auch nur um mich selbst.

Was mich tröstet ist: Auch im schmutzigsten Taufkleid findet sich noch ein Rest Weiß. Und das finde ich, wieder symbolisch betrachtet, wichtig. Denn die Taufe wird durch die Flecken auf den Taufkleidern nicht unwirksam.

Manchmal denke ich: Einige Flecken gewinnen sogar Sinn, zumindest im Nachhinein betrachtet. Es gibt dunkle Schatten, die mir helfen, andere Menschen besser zu verstehen, die gerade unter einer ähnlichen Situation leiden.

Nicht zuletzt: Jeder Dreckspritzer ist eine Lebensversicherung gegen Arroganz.

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