SWR4 Sonntagsgedanken

29MRZ2026
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Auferweckung – ein Kinderspiel?

Die Fastenzeit neigt sich dem Ende entgegen. Ostern. Das Fest der Auferweckung Jesu. Doch was so leicht gesagt wird, wiegt schwer. Auferweckung, Auferstehung: Wie lässt sich das verstehen?

Eine Spur legt die biblische Geschichte von Lazarus – mitsamt einer ganzen Ladung von Fragen, die sich heute stellen. Lazarus ist krank und deshalb holen die Leute Jesus. Der soll helfen. Aber Jesus lässt sich ewig Zeit. Erst nach Tagen macht er sich auf. Was ist das für ein Freund, denke ich da. Als Jesus endlich ankommt, liegt Lazarus schon vier Tage im Grab.

Die erste Merkwürdigkeit: Jesus ignoriert den Tod. Die Geschichte von Lazarus geht einfach weiter. Denn Jesus lässt sich das Grab zeigen. Lazarus liegt in einer Höhle, die mit einem Stein verschlossen ist. Solche Gräber kann man noch heute in Israel sehen.

Noch eine Merkwürdigkeit: Genau von so einem Grab wird auch erzählt, wenn es um Jesu Tod und Auferweckung geht. So, als wollte der biblische Text mal probieren, wie das geht mit der Auferstehung. Wie sich das anfühlt.

Auf jeden Fall rollen jetzt die Leute, die mit Jesus zum Gab gegangen sind, den Stein weg. Jesu ruft in die Höhle hinein: „Lazarus, komm heraus!“ Das erinnert mich an ein Kinderspiel. Verstecken. Einer dreht sich um und zählt laut. Und in der Zeit verstecken sich alle andere. Dann wird gesucht. Und wenn man dann jemand in seinem Versteck gesehen hat, dann ruft man: Komm raus, Lea oder Finn oder Kevin oder Luise, ich hab dich gefunden.

Noch eine Merkwürdigkeit: Auferstehung – ist das wirklich ein Kinderspiel? Zumindest der biblische Text legt das nahe. Ganz leicht wird Lazarus ins Leben zurückgeholt. Er wird einfach gerufen. Und dann kommt er schon aus seinem Grab. Keine großen Zaubersprüche, kein Spektakel, kein Simsalabim. Es reicht, den Toten bei seinem Namen zu nennen. Das macht lebendig. Eine Erfahrung, die ich so ähnlich  kenne. Da geht es mir schlecht und jemand sagt meinen Namen, spricht mich an. Redet nicht über mich, sondern mit mir. Das macht lebendig. Holt aus dem eigenen Gedankenkarussell heraus. Wenn mich jemand anspricht, dann öffnet er mir neue Perspektiven, und manchmal gewinne ich einen neuen Blickwinkel auf die Dinge, die mich belasten. Angesprochen werden, das ist wie Auferstehung mitten im Tag.

Und wenn doch Auferweckung ist?

Auferstehung ist ein Skandal. Denn Auferstehung sagt ja: Das Leben hier und jetzt ist nicht alles. Es steht noch was aus. Die Versprechungen von Konsum und Glück und Geld, die sind nur ein Teil der ganzen Wahrheit. Es gibt mehr als das neue Hemd, das neue Handy, das neue Haus, das bessere Dies und Das. Auferstehung hält den Gedanken daran wach, dass Leben mehr ist als das alltägliche Leben.

Im Grunde genommen ein ganz simpler Gedanke. In meinem Leben muss ich mich oft entscheiden. Beziehung, Wohnort, Beruf, Kinder oder nicht, Ferien hier oder dort, Geld dafür oder doch für etwas anderes. Und mit jeder Entscheidung sterben unzählige Möglichkeiten, die ich halt nicht wahrnehme. Wenn ich nach Budenheim ziehe, dann kann ich nicht zugleich nach Worms oder Bad Urach ziehen. Wenn ich eine Ausbildung als Schreiner anfange, kann ich kein Altenpfleger sein. Wenn ich Himbeerjoghurt kaufe, dann habe ich eben keinen mit Heidelbeeren. Jede Entscheidung, jede Handlung verabschiedet unzählige andere Möglichkeiten. Leben ist Abschied nehmen. Für den Augenblick sterben alle Alternativen.

Auferstehung hält den Gedanken an diese ungelebten Möglichkeiten wach. Weil sie Abschied nimmt vom Tod. Sicher: Der Tod ist die Grenze des Lebens. Nach dem Tod gibt’s keine Möglichkeiten mehr. Auferstehung aber sagt: Nicht so schnell. Das Leben ist noch nicht erschöpft.

Der Gedanke macht mir Mut. Er hilft mir, mit dem umzugehen, was in meinen Leben nicht so ganz gelungen ist. Wo ich mich entschieden habe, aber falsch. Auch da, wo ich zu anderen Menschen nicht gut war. Auferstehung sagt dann: Du hast noch eine Chance. Kannst nochmal anfangen. Dich versöhnen. Das Leben neu probieren. Auch schon vor dem Tod. Du kannst eine klitzekleine Auferstehung auch schon heute erleben: Indem du dich neu entscheidest. Nochmal auf jemanden zugehst. Die zugeschlagene Tür wieder öffnest.

 

Joh 11 in Auszügen

In jener Zeit sandten die Schwestern des Lázarus Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lázarus. Als er hörte, dass Lázarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen. Als Jesus ankam, fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Jesus war im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus. Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lázarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen! Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn. 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44150
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