Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Morgen – in aller Herrgottsfrühe – feiern wir in unserer Gemeinde die Auferstehung Jesu. Eine der biblischen Lesungen in dieser Liturgie erzählt, wie das Volk Israel auf seiner Flucht aus Ägypten am Roten Meer mit knapper Not der Streitmacht des Pharaos entkam (Buch Exodus 14,15 – 15,1). Als Mose seinen Stab erhob, spaltete sich das Meer. Trockenen Fußes erreichten die Israeliten das rettende Ufer. Aber dann geschah es: Über den nachrückenden Ägyptern schlugen die Fluten wieder zusammen, Ross und Reiter versanken samt ihren Streitwagen im Meer.
Mir und vielen Besuchern jagt diese entsetzliche Mär am Ostermorgen einen kalten Schauer über den Rücken. Gott errettet sein Volk aus Knechtschaft und Sklaverei und führt es hinüber in ein neues Leben, soll damit wohl gesagt sein. Aber warum müssen dann die Ägypter ersaufen? Ging‘s nicht auch eine Nummer kleiner? Gewiss weinten damals ägyptische Kinder um ihre Väter und Frauen um ihren Mann.
Ich mache mir darauf folgenden Reim: Wer hier absäuft, sind die Soldaten, keine Frage! Gemeint aber ist das Heer, das Gewaltsystem, die Streitmacht der Verfolger. Die soll auf Kommando das fliehende Volk mit militärischer Gewalt wieder einfangen, um es im „Lande der Knechtschaft“ weiter auszubeuten und zu unterdrücken. Der Gott aber, den wir im Juden- und im Christentum gemeinsam bekennen, duldet keine Sklaverei. Er steht auf der Seite der Verfolgten und vernichtet daher das perverse tödliche Gewaltsystem.
Es ist also die Kriegsmaschinerie, über der in dieser Erzählung die Fluten zusammenschlagen. Krieg bringt Tod, aber nicht das Leben. Und daher fährt der Krieg zur Hölle. Von dort kommt er und dort gehört er hin. Zum Teufel mit ihm! Er hat verspielt – für immer und ewig! So interpretiere ich diese Geschichte.
In unseren Kirchen bringen wir sie mit der Auferstehung Jesu in Verbindung. Wenn morgen früh am Ende unserer Feier das Morgenrot aufsteigt und die Nacht versinkt, bekennen wir als christliche Gemeinde: Christus lebt. Und uns allen ist Leben zugesagt: Hier in dieser begrenzten irdischen Wirklichkeit und dann einmal im ewigen Licht bei Gott.
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