Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01APR2026
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Carolas Schmerz ist 15 Jahre alt – und er ist immer noch da. Er lässt sich nicht auflösen mittels guter Ratschläge wohlmeinender Mitmenschen, die selbst nicht davon betroffen sind. Ratschläge sind auch Schläge, sagt der Volksmund. Und tatsächlich schwingt in ihnen oft ein unterschwelliger Ton mit, der wie ein Vorwurf klingen kann: Du hast es nicht richtig gemacht.

Ich denke an Carolas Leid, durch das sie hindurchmuss.

Sie, die Sie jetzt zuhören und vielleicht auch schon die Erfahrung eines fortwährenden Schmerzes machen mussten, wissen: Nicht jede Passion, nicht jedes Leid lässt sich auflösen, kann man loslassen, ablegen wie ein Kleidungsstück, das nicht mehr zu einem passt.

Was kann helfen bei dauerhaftem Seelenschmerz?

Vielleicht eine Beichte. Will sagen: sich einem anderen Menschen anvertrauen,  einmal alles erzählen. Die Stellen im eigenen Seelenhause benennen, an denen es noch immer weh tut, den Gründen nachspüren, warum es noch immer brennt und drückt.

Beichten meint: Last abgeben, sich von der Schuldfrage nicht erdrücken lassen.  Spüren, dass ein anderer mitleidet und mitträgt. Dass er aushält, was allein kaum auszuhalten ist. Und dann erleben, dass die Last leichter werden kann, wenn ein anderer Zeuge des eigenen Schmerzes geworden ist.

Man braucht nicht unbedingt einen Pfarrer zum Beichten. Es genügt ein Mensch, der zuhört und still mitträgt, ein Mensch, dem man vertrauen kann.

Das können Sie heute sein: Beichtmutter oder Beichtvater für jemand, der gerade jetzt Ihr offenes Ohr braucht.

Wo man auf Augenhöhe füreinander offen ist, kann es geschehen, dass man einander nahe kommt: Gut für den, der redet und – gut für den, der behutsam zuhört.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44147
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