SWR1 3vor8

06APR2026
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Mein eindrücklichster Ostermoment? Den habe ich auf freiem Feld im Dunkeln erlebt. Ich weiß noch: Zusammen mit zwei Freunden bin ich auf einer Hochzeitsparty. Die liegt irgendwann in den letzten Zügen. Aber ein Freund und ich haben noch nicht genug. Es gibt noch viel zu erzählen und viele Lieder zu singen – kurzerhand greifen wir uns einen Kasten Bier und zwei Campingstühle. Zwei Freunde und ein Kasten Bier, so marschieren wir los. Rasch landen wir auf einem frisch gepflügten Acker. Wir bauen die Campingstühle auf, setzen uns und merken: die Luft ist raus, wir haben uns übernommen! Die Bierflaschen bleiben ungeöffnet, die Gespräche plätschern müde dahin, kreisen irgendwann ums Älterwerden. Lust auf Singen haben wir auch nicht mehr. Schließlich ist da nur noch Schweigen und eine dunkle Kälte, der wir in T-Shirt und kurzer Hose tapfer trotzen. Einfach so weggehen geht nicht. Irgendetwas kommt da noch, da sind wir uns einig. Doch der schwarze Ackerboden schweigt unbestechlich. Als sich der Himmel langsam verfärbt und am Horizont ein erster Lichtstreifen zu erahnen ist haben wir genug. Schlotternd stehen wir auf und wollen gerade den Bierkasten anheben – da hören wir dieses merkwürdige Geräusch.  Unweit von uns raschelt es, dann erhebt sich aus dem schwarzen Acker ein Schatten. Steil steigt er auf. „Ein Vogel“ wird mir klar. Er scheint direkt in das schwache Morgenlicht hineinzufliegen – „dem Himmel so nahe“ denke ich bewundernd. Plötzlich hält der Vogel inne und schlägt rüttelnd mit den Flügeln. „Eine Lerche“, meint mein Freund noch, dann verstummt er, denn mit einem Mal zirpt und flötet es über uns, als wollte das kleine Tier dem zartrosa Himmel ein Ständchen singen. Schlagartig breitet sich in mir ein überwältigendes Sommergefühl aus, Sorgen und Kälte fallen von mir ab. Der Gesang spielt mit unzähligen Melodien, tönt gleichzeitig besänftigend und aufrüttelnd. Welch eine Befreiung! Und uns fällt die Zeile eines unserer Lieblingslieder ein: „The lark sings first, and the first sings best!“ Die Lerche singt als erstes – wenn die lange Nacht vergangen ist.

Wie sich dieser kleine Vogel vom kalten Ackerboden gelöst hat, aufgeflogen – ja – eigentlich in den Himmel aufgefahren ist und Licht und Leben begrüßt hat: das war mein eindrücklichstes Ostererlebnis.

Christus ist auferstanden! Frohe Ostern!

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