SWR Kultur Wort zum Tag
Den schwedischen Film „Wie im Himmel“ liebe ich sehr. Ein wunderschöner Film mit einem traurigen Ende, und doch: Er weitet den Blick über den Tod hinaus. Ich finde, er passt deshalb in diese Zeit vor dem Karfreitag. „Wie im Himmel“ erzählt von einem weltberühmten Dirigenten, der nach einem Herzinfarkt in sein schwedisches Heimatdorf zurückkehrt. Er möchte, so sagt er es jedem, der ihn anspricht: er möchte HÖREN lernen.
Der umtriebige Chef des Kirchenchors drängt ihn, doch einmal bei einer Probe vorbeizukommen. Eigentlich will der Dirigent nichts anderes als seine Ruhe haben. Doch dann lässt er sich tatsächlich breitschlagen und kommt zur Chorprobe. Man sieht und hört eine etwas merkwürdige Truppe, die sich beim Singen redlich Mühe gibt, aber doch fast peinlich wirkt. Warum er den Chor dann doch übernimmt, bleibt ein Rätsel. Jedenfalls kommt mit ihm der Erfolg, obwohl oder gerade weil sich die Sängerinnen und Sänger gehörig umstellen müssen. Sein Ziel ist: Jeder soll seinen eigenen, ganz persönlichen Ton finden. Und das Wunder geschieht: Die Menschen kommen immer mehr aus sich heraus, trauen sich was, finden zu ihren Tönen. Nicht nur die Stimmen verändern sich dadurch, auch sie selbst. Die Sängerinnen und Sänger entdecken mit ihrem eigenen Klang ihre eigene Persönlichkeit. Mit ihnen verändert sich auch das ganze Dorf, es verändert sich aber auch der Dirigent, auch ihn erfasst die Bewegung. Er entdeckt die Liebe. Zu einer Sängerin. Das ist ein Wunder, und doch auch wieder nicht, denn der Ton, der unser eigener Ton ist, ist immer ein Ton der Liebe.
Immer mehr Menschen schließen sich dem Chor an. Jeder Mensch, der kommt, darf bleiben, jeder Ton ist willkommen.
Wenn Menschen zu ihrem Lied finden, zu ihrem Lebensklang, dann verwandelt diese Entdeckung. Ihr Klang führt sie zurück zu ihrem Ursprung und zugleich zu ihrem Ziel, spannt den großen Bogen zwischen Geburt und Tod und wagt den Blick in den Himmel.
Ich weiß jetzt, was Liebe ist, sagt der Dirigent am Ende des Films. Es sind seine letzten Worte. Er hat wieder einen Herzinfarkt erlitten und wird den nicht überleben. Das ist sehr traurig, und doch ist irgendwie klar: Dieser Tod ist nicht das Ende. Größer als der Tod ist die Liebe. Zu lieben und geliebt zu werden – das ist wie im Himmel.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44140