Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Heute ist Karsamstag, der Tag der Grabesruhe Jesu.
An das Leid der Eltern Jesu habe ich früher nicht gedacht. Aber jeder weiß, dass es der größte Schmerz für Familien ist, wenn die Jüngeren vor den Älteren sterben. Sei es Krankheit, ein Unfall, wir haben das Gefühl: das darf nicht sein.
Das Sterben soll möglichst der Reihe nach gehen, sagt eine innere Überzeugung.
Erst die Großeltern, dann die Eltern, dann die Kinder.
So wird es auch Maria und Josef gegangen sein am Tag nach der Kreuzigung.
Es gibt aber nicht nur den körperlichen Tod, der Familienmitglieder voneinander trennt.
Etwas ganz anderes – aber auch ganz schlimm:
es gibt zunehmend mehr Familien, wo erwachsene Kinder sich von ihren Eltern trennen. Den Kontakt reduzieren oder ganz abbrechen. Das ist dann nicht „höhere Gewalt“, sondern eine bewusste Entscheidung.
Schmerzlich für beide Seiten: die Eltern können nichts tun, wenn Sohn oder Tochter schweigen. Die „Kinder“ treffen die Entscheidung natürlich auch nicht leichtfertig, und : es schmerzt sie vermutlich manchmal auch.
Wenn Enkel betroffen sind, wird es noch schwieriger: haben die ein Recht auf Opa und Oma, auch wenn die Eltern nicht dafür sind?
Für verwaiste und auch für verlassene Eltern gibt es heute Selbsthilfegruppen. Da können sie sich mit anderen Betroffenen austauschen. Trost finden.
Und ich persönlich glaube, dass es nach dem Tod, im Himmel, Platz gibt für alle getrennten Familien, dass Gott die Tränen abwischt und alle menschlichen Streitigkeiten durch seine umfassende Liebe auflöst.
Ich stelle mir vor, dass auch Jesu Eltern Maria und Josef das nach ihrem Tod so erlebt haben: dass sie wieder zusammen sein dürfen bei Gott.
Das ist meine Osterhoffnung.
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