Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz.
Betrieb wie immer in dem hohen, weitläufigen Treppenhaus. Nur im Erdgeschoss ist etwas anders:
Ein Tisch mit 12 Stühlen.
Auf dem Tisch ein Krug mit Wein und ein Teller mit Brot.
Spoiler: die Szene mit dem letzten Abendmahl, Jesus mit seinen Jüngern; es gibt wirklich viele Darstellungen davon.
Im Krankenhaus denkt man aber erst mal nicht an so was.
Mancher setzt sich an den Tisch, um kurz Pause zu machen oder um ein Formular auszufüllen. Ist das Brot für alle? Was ist in dem Krug? Manche riechen daran.
Viele schauen irritiert und überlegen, was das heute soll.
Und immer wieder stellt jemand den 13. Stuhl, der umgeflogen scheint, wieder ordentlich dazu. Das Team der Krankenhausseelsorge beobachtet die Szene und spricht diese ordentlichen Menschen an. Der 13. Stuhl soll Judas verdeutlichen, der vom Essen weggelaufen ist, um Jesus an die Römer zu verraten.
Das leuchtet unmittelbar ein und es ergibt sich manches gute Gespräch.
Die schönen freien Tage im Frühjahr sind ja nicht einfach so frei, sondern, weil wir Christen da etwas zu feiern haben. Aufgeteilt auf drei Tage:
den Gründonnerstag als Erinnerung an die Gemeinschaft von Jesus und seinen Freunden. Den stillen Karfreitag als Tag des Mitleidens mit Jesus und mit allen Menschen, die Leid ertragen müssen oder sterben.
Und den Ostersonntag als Fest für alle, die daran glauben, dass Gott Jesus nicht dem Tod überlassen hat. Und auch uns nicht dem Tod überlässt.
Diejenigen, die keine Christen sind, freuen sich einfach über das schöne lange Wochenende. Manche nennen es Hasenfest und rasen am Car-Friday über den Nürburgring.
Mir ist etwas anderes wichtig.
Ein Tisch mit 12 Stühlen erinnert mich heute daran:
Gott hat das letzte Wort, nicht der Tod. Seine Zeichen stehen auf Grün – nicht nur am sogenannten Gründonnerstag.
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