Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Felix muss ins Krankenhaus. Er ist 3 und eigentlich bedeutet ja Felix: der Glückliche, aber er hat Pech. Eine Fistel in seinem Hals geht seit Monaten nicht weg und die muss jetzt im Krankenhaus operiert werden. Ein Foto nach dem ersten Saft – ein Betäubungsmittel – zeigt ihn mit seligem Lächeln. Die Mutter hatte ihm das Ganze als Abenteuer dargestellt und eigentlich ist er stolz, morgen seinem Bruder erklären zu können, was er erlebt hat. Obwohl er auch ein bißchen Angst hat.
Dann geht es im Bett los über lange Flure in den OP. Jetzt weint er doch. Vor der Tür kommt eine Schwester, legt ihm einen Zugang für die Narkose und erklärt ihm: jetzt schläfst du gleich und wenn du aufwachst, ist schon wieder alles vorbei.
Felix schaut, überlegt sich das mit dem Schlafen und fängt dann an zu singen: Lalelu nur der Mann im Mond schaut zu wenn die kleinen
Babys schlafen, drum schlaf auch du.
Die Erwachsenen im Operationssaal sind sprachlos, einige gerührt, alle lächeln.
Ich finde, er macht seinem Namen Felix alle Ehre.
Das Abendritual von zuhause kann er selbst anwenden. Er glaubt seiner Mutter, dass alles gut gehen wird.
Als Erwachsene weiß ich: es geht nicht immer alles gut. Aber statt mich aufzuregen, könnte ich öfter versuchen, mich selbst zu beruhigen. Vielleicht mit dem Lied meiner Mutter: wer nur den lieben Gott lässt walten. Darin gibt es die Zeile: sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das deine nur getreu.
Das hat meine Mutter in vielen Krisen ihres Lebens vor sich hingesummt. Ich summe es auch, wenn ich nachts zwischen 2 und 4 wachliege und mich Ängste plagen.
Das meine tun – und ansonsten auf Gott vertrauen – oder zumindest auf seine Hilfe hoffen – damit komme ich auch durch manche Krise.
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