SWR3 Gedanken

04APR2026
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Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht, heißt es. Ein bisschen nachhelfen kann man mit Düngen, aber klar ist: Manches muss einfach vor sich hin gären, bis daraus etwas wird. Und dieser Prozess findet nicht selten verborgen, im Dunkeln statt.

Eine Freundin hat mal über ihre Kinder in der Pubertät erzählt: „Bei meiner Tochter war es anstrengend. Die musste immer alles besprechen und ausdiskutieren. Bei meinen Söhnen hatte ich den Eindruck, die sind am Anfang der Pubertät in ihr Zimmer gegangen und dann sind sie nach ein paar Jahren wieder rausgekommen und waren durch mit ihrer Verwandlung.“

Wenn man das nur vorher wüsste. Dann wäre man vielleicht auch nicht immer so ungeduldig. Würde vielleicht auch dagegen helfen, dass Eltern, trotzdem immer wieder versuchen am Gras zu ziehen und sei es nur um mal zu schauen, ob der Halm nicht doch ein bisschen gewachsen ist.

Der Tag heute heißt Karsamstag. Es ist ein stiller Tag, ein Tag an dem sich irgendwie nichts bewegt. Ein Tag nach der Beerdigung. Nach dem Abschied. Und trotzdem denke ich: Vielleicht wächst ja doch was. Vielleicht verwandelt sich ja was und alles was ich tun muss ist: Aushalten, Warten, Geduld zeigen.

Weil Gras nicht schneller wächst, wenn man dran zieht.   

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