SWR3 Gedanken

02APR2026
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Keiner von uns hat Matthias gekannt. Wir haben nie mit ihm gesprochen. Nur einer von uns hat ein paar Einzelheiten von den Nachbarn erfahren. Die sind auch zur Beerdigung gekommen und waren dankbar, dass sie sich von Matthias verabschieden konnten.

Matthias ist nämlich gestorben, er war Bürgergeldempfänger, also arm und hatte keine Angehörigen. Er hatte auch nichts hinterlassen, was passieren soll, wenn er stirbt. Die Stadtverwaltung kümmert sich um solche Sterbefälle. Wenn sie keine Angehörigen finden oder wenn es welche gibt, die sich aber nicht um die Bestattung kümmern wollen, dann werden die Verstorbenen „von Amts wegen“ bestattet. Das heißt: Die Urne wird begraben, ohne dass es eine Trauerfeier gibt. Erfährt auch keiner.

Dass Matthias und drei andere, doch mit einer Trauerfeier verabschiedet wurden, haben sie der Tobiasgemeinschaft zu verdanken. Einer Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, in solchen Fällen eine kleine Feier zu organisieren, bevor die Stadt „von Amts wegen“ und einfach so bestattet. Dabei kann in der Tobiasgemeinschaft jeder seine Fähigkeiten einbringen kann. Die einen sprechen ein Gebet, die anderen tragen die Urne, die nächsten sind einfach nur da.

Die Tobiasgemeinschaft hat ihren Namen übrigens aus der Bibel, von einem Tobias, der eben genau das gemacht hat: Er hat Menschen beerdigt, egal woher sie kamen und egal, ob er sie gekannt hat oder nicht. So lernen wir von Tobias und machen es ihm heute nach, damit auch Menschen in Armut in Würde bestattet werden können.

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