SWR1 3vor8
Der Sonntag heute wird manchmal auch „Schwarzer Sonntag“ genannt. Heute geht der Blick schon hin zum Karfreitag und zu Jesus am Kreuz. Es geht um Leid, um Tod und um Trauer. Und genau daran erinnert mich auch der Satz aus dem Hebräerbrief, über den heute gepredigt wird: „Wir haben hier keine bleibende Stadt.“ Das ist der Satz, den ich bei jeder Beerdigung sage. In der Trauerhalle auf dem Friedhof. Bevor ich mich mit der Trauergesellschaft auf den Weg mache, um den Leib oder die Asche eines Verstorbenen zur letzten Ruhestätte zu bringen. „Wir haben hier keine bleibende Stadt.“ Das ist der Merksatz für uns alle: Richte Dich nicht zu häuslich ein auf dieser Erde. Du wirst denselben Weg gehen, wie der Tote, von dem Du Dich heute verabschiedest.
Aber der Merksatz geht noch weiter: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräer 13,14)
Ich bleibe an dem Wörtchen „suchen“ hängen. Was hat das auf sich mit dem Suchen? Wie suche ich hier und jetzt, in dieser Welt, nach einer zukünftigen?
Da fallen mir die Worte einer alten Frau ein, die ich in den letzten Wochen ihres Lebens begleiten durfte. „Ich habe keine Angst vor dem Tod“, hat sie zu mir gesagt, „denn ich weiß ja, wo ich hingehe.“ Sie war sich ganz sicher. Nach dem Tod habe ich eine Wohnung bei Gott, für immer.
Sie hatte keine Todessehnsucht, hat den Tod nicht gesucht. Im Gegenteil. Sie hat ein Leben lang das Leben fest in den Blick genommen. Sie konnte das Leben genießen. Fühlte sich begleitet Gott, der ihr Gaben mitgegeben und ihr Menschen zur Seite gestellt hat. Und sie hat auch die Menschen, die mit ihr lebten, fest in den Blick genommen. Sie hat versucht, da zu sein, wenn sie gebraucht wurde mit ihrer Liebe, ihrer Hilfe, ihrer Gastfreundschaft.
Ja, denke ich, so geht das mit dem Suchen. Diese Frau hat das Leben und die Menschen geliebt. Hat hier schon versucht, so zu leben, wie sie sich das Leben in Gottes Stadt vorstellt. Sie hat nicht darauf gewartet, dass Gott in einem anderen Leben alles besser macht für sie. Sondern hat geholfen, das Leben hier schon ein bisschen besser zu machen. Immer in dem Wissen: Mein Leben hat einen Sinn. Es ist ein Geschenk und ein Auftrag. Und mein Leben hat ein Ziel. Ich gehe dahin, wo ich herkomme.
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