SWR4 Abendgedanken

02APR2026
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Heute ist Gründonnerstag.  Jesus hat an diesem Tag mit seinen Jüngern das letzte Mal zusammen gegessen und getrunken. Danach wurde er von einem von ihnen verraten und dann von römischen Soldaten verhaftet. Vorher jedoch hat Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen, was bei der Dramatik der Ereignisse oft in den Hintergrund gerät. Füße waschen!? Ich frage mich, ob ich das selbst könnte - anderen die Füße waschen.

Petrus, einem der Freunde Jesu, scheint es ähnlich zu gehen. Als Jesus ihm die Füße waschen will, entgegnet er entsetz: „Niemals sollst du mir die Füße waschen!“ Seine Reaktion ist auch verständlich, denn einem anderen die Füße zu waschen, war damals ein niedriger Sklavendienst. Sklaven wuschen ihren Herren den Dreck der Straße von den Füßen. Die Vorstellung, dass Jesus diesen Dienst übernehmen könnte, war für Petrus undenkbar. Jesus war für ihn ein Vorbild, ein Anführer, ja, der Sohn Gottes. Warum sollte Jesus solch einen niedrigen Dienst tun?

Ich verstehe Petrus Reaktion vor diesem Hintergrund. Für ihn war es eine Verdrehung der Verhältnisse. Mich beschäftigt aber auch die umgekehrte Sichtweise: Möchte ich mir von jemand anderem die Füße waschen lassen? Dabei kommt man sich doch sehr nah. Wer darf mich so berühren?

Jesus bietet mit der Fußwaschung Nähe an. Und so stellt sich für seine Freunde – und eben auch für mich – die stille Frage: Kann ich das annehmen? Kann ich überhaupt zulassen, dass mir jemand Gutes tut? Kann ich mir Nähe schenken lassen? Für viele ist es mindestens genauso schwer, Gutes für sich anzunehmen wie Gutes für andere zu tun.

Vielleicht ist das die Einladung dieses Gründonnerstages: Lass Dich darauf ein, dass es jemand gut mit Dir meint! Du darfst Dich auch einmal fallen lassen. Da ist jemand, der Dich auffängt und Dir im wahrsten Sinne des Wortes Deinen Schmutz von den Füßen abwäscht, ja, vielleicht sogar Deinen Lebensschmutz von der Seele.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=44112
weiterlesen...