SWR Kultur Wort zum Tag

28MRZ2026
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Wieder ein neuer Tiefstand bei den Hochzeiten in Deutschland. Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Immer weniger Menschen trauen sich, „Ja“ zu sagen – Heiraten ist aus der Mode.

Wenn ich mit jüngeren Leuten spreche, höre ich oft: Wir sind pragmatisch. Warum sich binden, wenn es eh nur ein paar Jahre hält? Kurz auf Wolke sieben und dann? So viele Trennungen, so viele Probleme. Eine lebenslange Ehe ist schön, keine Frage. Aber sie ist auch wie ein Lottogewinn. Viel zu selten, um darauf zu wetten.

Ich kenne selbst genügend Menschen, die sich getrennt haben. Und ich weiß: Manchmal ist die Trennung eine echte Befreiung. Vor allem in früheren Generationen konnte die Ehe wie ein Gefängnis sein – weil es finanziell nicht anders ging oder der soziale Druck zu groß war. Heute sind wir da freier. Und doch gibt es auch heute genügend Partnerschaften, wo es nicht weitergeht. Da mag es schmerzhaft sein zu scheitern, aber es ist der bessere Weg.

Die Ehe ist und bleibt ein gewagtes Versprechen. Da sagen sich zwei Menschen: Unsere Liebe kann ein Leben lang halten. Dass das gelingen kann, habe ich erst letztes Jahr bei der Goldenen Hochzeit meiner Schwiegereltern erlebt. 50 Jahre! Das waren nicht nur 50 Jahre Sonnenschein. Da gab es genügend Momente, die nicht leicht waren. Und doch schauen sie gerne auf die gemeinsame Zeit zurück und sagen: Es ist ein Grund zum Feiern!

Für mich hat das auch eine spirituelle Seite. Am deutlichsten wird das, wenn die Liebe sogar über den Tod hinausgeht. Ich kenne Menschen, die ihren Partner nach vielen Jahren verloren haben und doch jeden Tag mit ihm verbunden bleiben. Trotz aller Trauer wollen sie die Beziehung leben und fühlen sich dem anderen ganz nah.

Meine Bekannte Renate zum Beispiel spricht viel von ihrem Mann, der an Krebs gestorben ist. Sie erzählt von den Jahren einer Ehe, die recht normal verlaufen ist. Kinder, Arbeit, Urlaub – mit allem, was dazu gehört. Aber wenn Renate davon spricht, hat ihre Stimme einen besonderen Klang. Es schwingt Liebe mit. Die Sehnsucht nach ihrem Partner, von dem sie erzählt, als könnte er gleich in der Tür stehen.

Da stimmt der Satz nicht mehr, der bei manchen Hochzeiten fällt: Bis dass der Tod Euch scheidet. Denn selbst der Tod hat hier nicht das letzte Wort. Bei Renate geht die Ehe über den Tod hinaus. Das hat für mich etwas Heiliges.

Ich weiß nicht, ob die Zahl der Hochzeiten wieder zunehmen wird. Jede Generation muss selbst herausfinden, was Partnerschaft und Ehe für sie bedeuten. Doch ich möchte dafür werben, diesen großen Traum nicht zu den Akten zu legen. Menschen, die heiraten, setzen ein Zeichen. Sie sagen: „Ja, ich glaube daran – dass es gelingen kann.“ Wir wollen versuchen, ein Leben lang zusammen zu bleiben. Und vielleicht sogar über den Tod hinaus.

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