SWR4 Abendgedanken
Manche Bilder vergisst man nicht so schnell. Ich erinnere mich noch an eines aus der aus der Corona-Zeit. Vielleicht erinnern Sie sich auch daran. Heute vor sechs Jahren. Der Petersplatz in Rom, normalerweise voller Menschen, er war völlig leer. Es regnete. Und mitten auf diesem riesigen Platz stand nur ein Mann: Papst Franziskus. Keine Menschenmenge. Keine Pilgergruppen. Nur Regen, Stille und ein großes Kreuz vor den Toren des Petersdoms.
Viele haben damals diesen Moment im Fernsehen gesehen. Und viele haben später gesagt: Dieses Bild hat etwas von der Stimmung dieser Zeit eingefangen. Denn plötzlich war vieles anders. Straßen waren leer. Geschäfte geschlossen. Treffen abgesagt. Viele Menschen hatten Fragen im Kopf, auf die niemand eine schnelle Antwort hatte. Und vielleicht hat genau deshalb dieses Bild so viele berührt: Ein Mensch steht im Regen – und bringt die Sorgen der Welt vor dieses Kreuz.
Interessant ist: Dieses Kreuz hat selbst eine lange Geschichte. Es stammt aus einer Kirche in Rom und wurde schon vor Jahrhunderten durch die Stadt getragen, als dort eine schwere Pest ausgebrochen war. Dieses Kreuz hat die Menschen damals getröstet, sie haben auf Hilfe und ein Ende der Krankheit gehofft.
Dieses Zeichen hat den Menschen damals Kraft gegeben. Und vielleicht liegt darin eine Wahrheit, die auch heute noch gilt. Wenn das Leben unsicher wird, suchen Menschen nach etwas, woran sie sich festhalten können. Manche reden mit anderen und merken, das gibt Halt. Manche halten sich an ihre Rituale, manche lassen sich von ihrem Glauben tragen.
Das Kreuz steht im Christentum genau für diesen Gedanken: Dass Gott auch dort ist, wo das Leben schwierig wird. Nicht nur in den schönen Momenten. Sondern gerade dort, wo Menschen Angst haben oder nicht wissen, wie es weitergeht. Der leere Petersplatz damals hat das sehr eindrücklich gezeigt. Es war KEIN großes Ereignis mit Applaus und Menschenmassen. Eher ein stiller Moment. Ein Mensch im Regen. Ein Kreuz. Und eine weltweite Situation, in der niemand wusste, was die nächsten Wochen bringen würden.
Diese Schlichtheit hat das Bild vielleicht so stark gemacht. Ein Zeichen, das daran erinnert: Du bist mit dem, was dich beschäftigt, nicht allein. Die Pandemie liegt inzwischen ein paar Jahre zurück. Aber viele erinnern sich noch an dieses Bild aus Rom. Vielleicht gerade deshalb, weil es so klar war. Ein leerer Platz. Ein Mensch im Regen. Und ein Kreuz, das schon viele Krisen gesehen hat. Es erinnert mich daran, dass auch ich Krisen überstehen kann.
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