SWR4 Abendgedanken

24MRZ2026
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„Mach schnell.“ – diesen Satz habe ich verinnerlicht. Ich sage ihn nicht laut, aber ich tue oft genau das. Ich gehe durch den Tag, als würde irgendwo eine Uhr ticken. Noch dies erledigen, noch schnell die Mail beantworten. Noch kurz etwas aufräumen.

Sogar beim Kochen denke ich: Ich muss die Pause zwischen zwei Töpfen nutzen, um noch schnell die Spülmaschine auszuräumen.

Und im nächsten Moment frage ich mich: „Warum eigentlich? Niemand verlangt das von mir.“ Den Druck mache ich mir selbst.

Es ist erstaunlich, wie sehr mich das im Alltag antreibt. Manchmal merk ich das gar nicht mehr. Ich versuche, die Dinge möglichst gut zu machen. Möglichst viel unterzubringen. Möglichst nichts liegen zu lassen. Und es gibt ja immer etwas zu tun. Nur, da ist irgendwann auch der Punkt, wo sich mein Leben wie eine Liste anfühlt, die nie ganz abgearbeitet ist.

Wenn ich merke, ich stecke in so einer Situation fest, dann versuch ich bewusst innezuhalten. Nichts zu tun. Kurz zu warten. Nicht gleich die nächste Aufgabe suchen. Einfach kurz durchatmen.

Es gibt einen alten Gedanken aus der Bibel, der mir dazu einfällt. Schon auf den ersten Seiten steht, dass Gott nach der Schöpfung der Erde erst mal einen Tag Pause macht. So entsteht der Sabbat. Nicht, weil Gott erschöpft gewesen wäre, sondern weil er ein Zeichen setzt: Leben besteht nicht nur aus Tun. Es ist auch dazu da, innezuhalten und das Leben wahrzunehmen.

Ich finde diesen Gedanken erstaunlich modern. Denn vieles in unserem Alltag läuft eher genau andersrum. Alles soll schneller gehen. Effektiver. Produktiver. Und manchmal gilt das eben auch für die freien Minuten dazwischen.

Der Sabbatgedanke aus der Bibel erinnert daran, dass Ruhe kein Luxus ist. Und auch keine Belohnung erst am Ende eines langen Tages. Sondern ein Teil des Lebens selbst. Ich muss nicht alles optimieren. Manchmal reicht es schon, wenn ich kurz innehalte und merke: Es ist jetzt gut. Der Tag ist voll genug gewesen.

Das Leben besteht nicht nur aus dem, was ich geschafft habe, sondern auch aus den kleinen Pausen dazwischen.

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