SWR1 3vor8

15MRZ2026
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Im Chor sind wir gerade richtig viele Leute. Über 100. Und auch wenn wir viele Leute sind, ist es nicht egal, was der Einzelne macht. Töne und Rhythmus müssen natürlich stimmen, aber damit die Musik lebendig wird, braucht es auch eine gemeinsame Idee davon, wie es klingen soll. Froh und zuversichtlich, nachdenklich, traurig oder kraftvoll.

Unser Chorleiter kann diese Stimmungen super aus uns rauskitzeln. Er macht eine bestimmte Gestik oder ein bestimmtes Gesicht – und schon reagieren wir. Es funktioniert aber nur, wenn wir auch innerlich mitgehen. Wenn er zum Beispiel strahlt, dann denke ich an meine kleine Nichte, wie sie mir voller Freude entgegenläuft. Und schon singe ich strahlend. Oder wenn unser Chorleiter langsam und gewichtig dirigiert, dann denke ich an Thomas, dem es das Leben so schwer macht – und schon singe ich schwermütig. All das stecke ich ins Singen. Und auch die Sängerinnen und Sänger um mich herum. Die Musik fängt dann wie zu leuchten an und bekommt eine Kraft, die auch bei den Zuhörerinnen und Zuhörern ankommt.

Im Chor ist es der Chorleiter, der Gefühle mit seinem Dirigat weckt. Als Christin helfen mir andere Menschen, mich an meine innere Kraft und das Licht in mir zu erinnern. Und auch biblische Texte. So wie die Stelle, die heute diejenigen hören, die einen katholischen Gottesdienst mitfeiern. In einem Brief von Paulus an die Menschen in Ephesus heißt es: „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.“ (Eph 5,8)

Ich mag die Vorstellung, ein „Kind des Lichts“ zu sein. Da steckt so viel Kraft und Wärme drin. Vor allem aber erinnert es mich daran, dass ich das Licht schon in mir trage. In mir ist es hell und warm – egal, wie es um mich herum gerade aussieht. Und auch, wenn ich mir manchmal nur wie ein ganz kleines Flämmchen vorkomme.

Ich glaube, Gott hat in jede und jeden sein Licht gelegt, und er wünscht sich, dass alle Menschen es zum Leuchten bringen. Für sich selbst und auch für andere. Wie hell könnte es dann in unserer Welt werden. Neulich habe ich, nur ein paar Minuten, überlegt: was ist gut und muss nicht verändert werden. Da kam von der Frisur bis zum Ausblick aus meinem Küchenfenster so manches zusammen. Und bei anderen reicht es manchmal schon, miteinander das Schwere auszuhalten – jemanden nicht vollzuquatschen, sondern zuzuhören. Oder einfach einmal jemanden mit Freundlichkeit zu überraschen – zum Beispiel, indem ich einer Freundin eine Nachricht schicke mit einer kleinen „Warum du toll bist“-Liste. Dann locke ich – wie eine Chorleiterin – das Licht im anderen hervor.

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