SWR1 3vor8
„Heute ein König“! Mit dem Satz wurde vor Jahren mal Werbung für ein Bier gemacht. Der Satz passt aber auch auf die Geschichte, die heute am Palmsonntag im Mittelpunkt der katholischen wie evangelischen Gottesdienste steht. (Mt 21,1-11) Denn auch da geht’s um einen König. Sie erzählt davon, wie Jesus kurz vor seinem Tod mit seinen Jüngern in Jerusalem einzieht. Wie ein König eben, nur nicht nach den üblichen Maßstäben. Eher ein König der Herzen. Einen, der später von sich selbst sagen wird, dass sein Königtum nicht von dieser Welt sei. Denn so manches an dieser Geschichte passt nicht zu einem König, wie man ihn sich gemeinhin vorstellt. Da lässt Jesus etwa eine Eselin samt Fohlen organisieren, kein stolzes Pferd. Und auf der Eselin reitet er, wenig königlich, nach Jerusalem hinein. Oder da sind Leute, die ihre Kleider vor ihm auf dem Weg ausbreiten, ihm quasi den roten Teppich ausrollen wie einem großen Herrscher. Das Ganze garniert mit Palmzweigen. Einem alten Symbol für den Triumph. Und doch wirkt das verglichen mit einem echten Herrscher oder Feldherrn eher wie eine Parodie auf den ganz großen Auftritt. Man stelle sich die Szene mal vor: Kurz vor dem Passahfest war Jerusalem damals prallvoll mit tausenden Pilgern. Die Stadt platzte förmlich aus allen Nähten. Und die Jesusanhänger eine kleine, überschaubare Gruppe unter vielen anderen. Der Einzug auf einem Esel mit ein paar dutzend Anhängern, die ihn wie einen König bejubeln. Aus der Distanz betrachtet wirkt er wie eine Lachnummer. Warum also erzählt die Bibel das so bewusst?
Weil dieser König nicht wie die üblichen Herrscher sein soll. Weil es bei ihm nicht um Macht und Einfluss und schon gar nicht um militärische Stärke geht. Weil dieser Herrscher eher ein Anti-König ist. Einer, in dem sich die alten Prophezeiungen vom Friedenskönig erfüllen. Juble laut, Tochter Zion! / Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir, heißt es da. Und weiter: Demütig ist er und reitet auf einem Esel, / ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin. (Sach 9,9) In einer Welt, in der – wie gerade mal wieder – das Recht des Stärkeren herrscht, mag so ein König eine Lachnummer sein. Aber vielleicht wäre er gerade jetzt besonders wichtig.
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