Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
„Viel Erfolg“! Vor kurzem erst habe ich das einer Kollegin gewünscht. Sie musste sich um eine Fernsehübertragung kümmern und da gibt’s unglaublich viel zu organisieren. Viel Erfolg! Was ich ihr damit sagen wollte: Ich wünsche dir, dass alles so gelingt, wie du es geplant hast.
Nun ist das mit dem Erfolg so eine Sache. Ein Erfolg kann ja ganz vieles sein. Ein berufliches Projekt, wie bei meiner Kollegin. Das Fairnesskaufhaus in unserer Stadt, wo Leute für wenig Geld gute, gebrauchte Dinge bekommen. Oder auch konsequenter Naturschutz, wenn Pflanzen und Tiere plötzlich wiederkommen, die wir fast ausgerottet hatten. Auf der anderen Seite kann aber auch ein Krieg erfolgreich sein. Oder ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter schikaniert und ausbeutet. Und ein Garant für gute Laune ist Erfolg leider auch nicht. Manchmal spaltet er. Lässt die neidisch und gehässig werden, die nicht so erfolgreich sind wie andere. „Über deine Erfolge freuen sich deine Eltern. Über deine Misserfolge freuen sich alle anderen“, meinte der Autor Harald Martenstein mal spöttisch in einem Interview.
Der große jüdische Religionsgelehrte Martin Buber war deshalb skeptisch beim Wort „Erfolg“. Erfolg, so hat Buber mal gesagt, sei für ihn „keiner der Namen Gottes“. Das heißt: Wenn irgendwas super läuft, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch gut und wünschenswert ist. Dass es Menschen nützt, ihnen Zuversicht gibt, im Sinne Gottes ist. Wer Schlechtes tut. Wer rücksichtslos mit Menschen und Natur umgeht, kann nicht mit Gott rechnen, selbst, wenn er noch so erfolgreich erscheint.
Für mich heißt das: Als gläubiger Mensch sollte ich besonders wachsam sein, wenn ich mal wieder sage: Viel Erfolg. Es kommt halt drauf an, was damit gemeint ist.
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