Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

17MRZ2026
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Er steht noch immer da, der alte Kulturbeutel meines Vaters. Vor ein paar Jahren ist mein Vater im Krankenhaus gestorben. Den Beutel haben wir damals mit anderen persönlichen Dingen mitgenommen. Darin ist wertloses Zeug. Seine Zahnbürste, sein Rasierapparat, etwas Duschgel und manches andere. Nichts davon konnte ich gebrauchen und doch habe ich diesen Kulturbeutel lange aufbewahrt wie einen Schatz. Wegwerfen ging nicht. Es hätte zu weh getan.

Ich habe mich oft gefragt, warum das so ist. Denn nüchtern betrachtet war er zu nichts mehr zu gebrauchen. Mit dem Beutel ist es wie mit zig anderen Gegenständen, die ebenfalls mein Haus bevölkern. Die herumliegen, in Schränken oder Schubladen. Die zustauben und Platz wegnehmen. Ich brauche sie nicht und doch kann ich sie auch nicht einfach wegwerfen. Da sind Mitbringsel aus einem wundervollen Urlaub. Geschenke, die mir meine Kinder mal gemacht haben, als sie klein waren. Und an jedem einzelnen Teil kleben Erinnerungen, zäh wie ein altes Kaugummi. Manche tun gut und wärmen die Seele. Andere sind schmerzhaft, wie beim Kulturbeutel meines Vaters. Aber jedes einzelne Teil erzählt eine Geschichte und jedes steht für etwas Wichtiges in meinem Leben.

Oft spüre ich erst viel später, dass die Erinnerungen ein Teil von mir geworden sind. Dass ich sie anschauen, mich daran freuen kann. Dass sie aber nicht mehr weh tun. Das ist der Moment, an dem ich endgültig Abschied nehmen und Dinge loslassen kann. Von dem alten Kulturbeutel werde ich mich demnächst wohl doch trennen. Weil die Erinnerungen an meinen Vater längst ein Stück von mir sind.

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