Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Ein alter, frommer Bäcker hat mir mal erzählt, dass er während der Arbeit oft betet. Brote formen und dabei ein Gebet sprechen. Und er hat gesagt: „Es braucht keine besondere Haltung, um zu beten. Man muss auch nicht die Hände falten. Hauptsache man sprichst mit Gott.“ Das ist sehr wahr. Und mir tut es gut zu wissen: ich brauche nicht so viel Aufhebens um das Wie des Betens zu machen. Einfach mit Gott reden, wann und wo auch immer.
Wie so oft gibt es auch eine zweite Perspektive. Ich habe nämlich mittlerweile zusätzlich festgestellt, dass es für mich gut ist, wenn ich auch mal eine besondere Gebetshaltung einnehme. Sogar Bewegungen können mir beim Beten helfen.
Wenn ich zum Beispiel dastehe und die Hände mit offenen Handflächen vor der Körpermitte halte, dann bin ich konzentriert. Ich stimme mich bewusster auf das Beten ein. Außerdem tut es gut, Routinen – auch die Routinen der Arbeit – zu unterbrechen.
Gott braucht es nicht, dass ich eine besondere Haltung einnehmen. Gott macht das Gebet nicht davon abhängig, wie ich beim Gebet dastehe, ob ich die Hände falte, oder ob ich gleichzeitig Brote forme.
Aber für mich macht es einen Unterschied. Ich erlebe das Gebet anders, je nachdem, wie ich dastehe oder mich bewege. Darum geht es nämlich auch beim Beten: dass ich etwas wahrnehme. Ich behaupte sogar, dass ich in dem, was ich mit dem Körper wahrnehme, Antworten von Gott finden kann. Das Gebet ist nicht einseitig – also, dass nur ich rede und Gott zuhört. Gott teilt mir ebenfalls etwas mit. Und dafür ist es gut, meine Sinne zu öffnen und meinen ganzen Körper als Sinnesorgan zu empfinden.
In der Sprache der Bibel klingt das so: „Darum freut sich mein Herz. Es jauchzt meine Leber. Mein Fleisch wohnt in Sicherheit, denn meine Kehle überlässt du [Gott] nicht der Unterwelt.“ (Ps 16,7-10; übers. v. S. Schroer/ T. Staubli) Das klingt doch nach ganzem Körpereinsatz und ich merke: Beten geht auf viele Weisen: nebenher, bei der Arbeit, als Unterbrechung der Routine, in Ruhe, mit Bewegung und mit dem ganzen Körper.
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