Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Haben Sie als Kind auch im Gras gelegen und in die Wolken geguckt? Die Wolken haben manchmal wie Tiere oder Figuren ausgesehen. Ich habe Hasen und mal eine Lokomotive am Himmel entdeckt. Manchmal sind die Gedanken mit den Wolken auf Reisen gegangen.
Heute ist Welttag der Meteorologie. Denn heute vor bald 80 Jahren haben die Meteorologen aus aller Welt vereinbart, dass sie bei Wettervorhersagen künftig zusammenarbeiten werden.
Das war eine schlaue Idee, denn eine Wolke macht nicht an Ländergrenzen Halt. Man hat erkannt, dass man das Wetter besser vorhersagen kann, wenn man länderübergreifend zusammenarbeitet. Seit dieser Zeit können extreme Wetterereignisse besser vorhergesagt werden, und man kann sich besser auf Naturkatastrophen vorbereiten.
Der Blick in die Wolken und die Frage, wie das Wetter wird, war von jeher wichtig. Ernten hängen vom Wetter ab. Transport und Verkehr ebenso. Unwetter können ganze Landstriche verwüsten. Wetter kann lebensbedrohlich werden. Weil das alles so ist, darum hat schon vor Urzeiten die Beschäftigung mit Wolken, Wind und Regen eine religiöse Bedeutung bekommen. Die Menschen haben sogar geglaubt, dass Gott auf den Wolken durch den Himmel fährt. Darum steht in einem alten Gebet in der Bibel: „Gott, Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes.“ (Ps 104,3)
Mit Gott auf der Wolke hat die moderne Meteorologie natürlich nichts zu schaffen. Sie ist eine Naturwissenschaft. Auch ich habe damals, als ich im Gras gelegen habe, nicht gesehen, dass Gott auf der Wolken-Lokomotive unterwegs war.
Trotzdem schaue ich heute noch gerne in die Wolken. Es verschafft meinen Gedanken freien Lauf. Es unterbricht den Alltag. Wenn sich Figuren und Formen am Himmel bilden, komme ich auf Ideen. Auch mal in den Himmel zu schauen ist besser als immer stur geradeaus.
Ich habe auch keine Angst vor Höhenflügen. Denn, wenn ich aus dem Gras aufstehe, dann stehe ich immer wieder mit beiden Beinen auf der Erde und auf dem Boden der Tatsachen. Aber nach dem Blick in die Wolken fühlt es sich freier an als zuvor.
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