SWR4 Abendgedanken
Ich falle jedes Jahr wieder darauf rein. Sobald März ist, denke ich: „Tschüss Winter und Hallo Frühling. Endlich ist Schluss mit nass und grau. Ab jetzt gibt’s nur noch Sonnenschein.“ Und dann holt mich die Realität doch ganz schnell wieder ein. Denn oft ist es im März immer noch ziemlich kalt und die Sonne lässt sich auch nur ab und zu blicken. Immerhin sind die Tage wieder länger, aber so richtige Frühlingsstimmung will bei mir einfach noch nicht aufkommen. Ich werde wirklich ungeduldig was das Thema Frühling angeht. Ich kann weder das Wetter beeinflussen, noch dafür sorgen, dass die Blumen und Pflanzen schneller wachsen. Es kommt mir so vor als würde sich der Winter ewig ziehen.
Und trotzdem lerne ich etwas vom Monat März. Denn was im März passiert, ist erstmal ganz unscheinbar. Wenn ich einen Blick auf die Natur werfe, dann sehe ich immer noch vielerorts kahle Bäume und matschige Wiesen. Aber unter der Erde da ist mächtig was los. Samen sprießen und Wurzeln wachsen, um alles für die Frühjahrspracht vorzubereiten. Es bewegt sich also doch vieles, nur kann ich es nicht direkt sehen.
Ich kann mir an der Natur ein Beispiel nehmen und mich unter der Oberfläche, also innerlich, auf den Frühling vorbereiten. Dabei überlege ich mir, worauf ich mich im Frühling besonders freue, zum Beispiel, endlich wieder bei Sonnenschein und in leichter Jacke, draußen zu spazieren. Darauf zum erst Mal wieder in die Eisdiele zu gehen oder meinen Balkon mit Geranien und Glockenblumen zu bepflanzen. Und bei manchen Dingen braucht es ja auch eine tatsächliche Vorbereitung, bei den Blumen zum Beispiel. Wenn ich schöne Blumen auf dem Balkon haben will, muss ich mir ja erst mal überlegen, ob noch genügend Erde da ist und wo ich eigentlich meine Übertöpfe verstaut habe.
Und ich kann das Ganze auch auf einer persönlichen Ebene angehen und mich fragen, was ich tun kann, um in der kommenden Zeit innerlich zu wachsen. Vielleicht krame ich nochmal meine Vorsätze von Neujahr raus oder ich reflektiere eine heikle Situation und überlege, was da eigentlich passiert ist und ob das das nächste Mal vielleicht anders laufen könnte. Das alles kann dazu beitragen, dass auch in mir Neues und Gutes aufgehen kann.
Den Frühling kann ich nicht herbeizaubern, aber ich kann mich auf ihn vorbereiten und wenn er dann da ist koste ich ihn aus, so wie es gerade möglich ist. Ob nur einen Moment mit der Nase an der frischen Luft oder einen ganzen Nachmittag an der Sonne.
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